Sonntag, 14. Juni 2015

OSTTIROLER BERGSTEIGERDÖRFER

ERFRISCHEND ANDERS: DIE FÜNF AUSGEZEICHNETEN OSTTIROLER BERGSTEIGERDÖRFER PUNKTEN SCHON IMMER SANFT MIT NICHTS

Im Villgratental und im Tiroler Gailtal finden Alpinisten das Paradies bei einsamen Aufstiegen, in Hütten und an der Seite Einheimischer, die ihre wahre Leidenschaft teilen.

Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob sie die Entwicklung einst verschlafen haben oder ob sie wirklich schon immer trotz steil aufragender Felsriesen rundum den weitesten Horizont hatten. Während andernorts jedenfalls die Erschließung der Bergwelt im Vordergrund stand, geschah in vielen Dörfern Osttirols erst einmal nichts. Feriengäste kamen, man bot ihnen das Fremdenzimmer und wer auf den Berg hinauf wollte, musste halt laufen. Das ist im Villgratental und mit kleinen Einschränkungen im Tiroler Gailtal noch heute so. Nur, dass man in Zeiten des sanften Tourismus hier inzwischen weit voraus ist. Kartitsch, Obertilliach, Untertilliach, Außervillgraten und Innervillgraten sind die Namen der Orte, die durch besondere Ursprünglichkeit und Authentizität punkten. Und die genau deswegen vom österreichischen Alpenverein als „Bergsteigerdörfer“ ausgezeichnet wurden.


„Insgesamt gibt es 18 Bergsteigerdörfer in Österreich, wir in Osttirol haben allein fünf“, sagt Arthur Bucher vom Tourismusverband Osttirol. Vielleicht hätte es sich auch einfach nicht gelohnt, in großem Maßstab Lifte und Hotelkomplexe zu bauen, da die Deutschen sowieso in Nordtirol hängen bleiben würden, weil’s näher ist. „Und wer fährt schon weiter?“, fragt der Experte, der selbst lieber in seinen Karnischen Alpen vor der Haustür unterwegs ist als in der Karibik. Sei’s drum: Osttirol hat österreichweit die meisten Bergsteigerdörfer, mit anderen Worten die größte Authentizität und genau das, was heute nachhaltige Tourismuskonzepte ebenso fordern wie anspruchsvolle Gäste auf der Suche nach dem echten, unverfälschten Urlaubserlebnis.


Beginnen wir mit Kartitsch. Einem Dorf mit drei Ortsteilen, das sich über sechs Kilometer auf einer Höhe von 1500 Metern im Tiroler Gailtal erstreckt. Und in dem die 980 Einwohner im Angesicht des Großen Kinigat (2689 m) ihren Alltag meistern. „Wir selbst brauchen nur etwa zwei Stunden, auch wenn der Weg durchs Schöntal hinauf zu unserem Hausberg mit 3,5 Stunden ausgewiesen ist“, sagt Arthur Bucher und hat schon die Filmoor-Standschützenhütte und die deftige Jause vor seinem geistigen Auge. „Man ist direkt unter dem Berg, schaut hinauf zur Königswand und freut sich auf den Klettersteig zum Gipfel“, sagt er.

Der Große Kinigat ist Teil des Karnischen Höhenwegs, der von Osttirol über 155 Kilometer bis nach Italien führt. Und der im 1. Weltkrieg heiß umkämpft war. „Kaum vorstellbar, was sich damals hier abspielte“, sagt Bucher und ist ein wenig stolz, dass heute ein Friedenskreuz auf dem Großen Kinigat für ein geeintes Europa steht.


Einen solch historisch bedeutsamen Ausblick genießen weder die 240 Nachbarn in Untertilliach noch die 700 Obertilliacher. Bei ihnen schauen Eggenkofel (2581 m) beziehungsweise Porze (2589 m) zum Wohnzimmer hinein. Und wer ein paar Schritte geht, ist schnell am Golzentipp, einem der schönsten Panoramaberge in ganz Osttirol. Die Sicht reicht von den Hohen Tauern und der Schobergruppe über die Lienzer Dolomiten und die Karnischen Alpen bis hin zu den Sextener Dolomiten und weit ins Pustertal.

Wie in allen Bergsteigerdörfern gibt’s die besten Wandertipps gratis beim Vermieter. In speziellen Partnerbetrieben, die sich 100-prozentig auf die Bedürfnisse der Alpinisten eingestellt haben, wird sogar schon morgens um vier Uhr Frühstück serviert, wenn die Gäste zeitig zum Gipfelsturm aufbrechen möchten. Geführte Touren, Beratung in Ausrüstungsfragen, gute Busverbindungen vor Ort – all das ist für ein Bergsteigerdorf ebenso selbstverständlich wie die unverfälschte Heimatfilm-Kulisse und die Orientierung an der Alpenkonvention, die dem sanften Tourismus die Richtung vorgibt.


Während sich die Holzhäuser in Obertilliach, wo der komplette Ortskern unter Denkmalschutz steht, so dicht aneinander drängen, dass sich die Dächer fast berühren, haben die rund 2000 Menschen im Villgratental viel Platz ums Haus. Prächtige Höfe sprenkeln die Bilderbuchlandschaft in Außer- und Innervillgraten. Weit und breit kein Lift in Sicht. Das einzige Tal Österreichs, das sich noch nicht einmal ansatzweise auf den Skizirkus eingelassen hat und das heute als absolutes Traumrevier für Tourengeher gilt, trumpft sommers wie winters mit dem Herz Ass. Denn aus der Luft betrachtet ist es ein Herz, das die 50 imposanten Gipfel rund um das Villgratental bilden. Die Bergwanderung ist in sechs Tagesetappen eingeteilt, wobei Geübte  von Gipfel zu Gipfel gehen und gemütlichere Zeitgenossen die leichte Variante wählen. Seit dieser Saison punktet das Herz Ass übrigens mit neuer Beschilderung und neuen Angeboten für Gäste. Denn ein Bergsteigerdorf zu sein, bedeutet nicht Stillstand, sondern eine kontinuierliche Entwicklung – sanft und in die richtige Richtung.

Besonderer Tipp:
Die Osttirol Card für 47 bzw. 23 Euro (Kinder) bündelt 20 Freizeitangebote. Sieben Tage lang können Gäste die Bergbahnen gratis nutzen und haben freien Eintritt in Wildpark, Schwimmbäder und Museen.

Über Osttirol: 
Osttirol mit der Bezirkshauptstadt Lienz und 32 Gemeinden gliedert sich in vier Regionen: Die Nationalpark-Region Hohe Tauern und das Defereggental im Norden, die Lienzer Dolomiten im Südosten und das Hochpustertal im Südwesten. Staufreie Anreise inklusive Landschaftserlebnis über die Felbertauernstraße.

Info:
Osttirol Werbung GmbH, Albin-Egger-Str. 17, A 9900 Lienz, www.osttirol.com
Oder direkt bei den Bergsteigerdörfern:
Obertilliach, Tel. +43 (0) 50 212 360, www.obertilliach.at
Untertilliach, Tel. +43 (0) 50 212 360, www.hochpustertal.com/untertilliach
Kartitsch, Tel. +43 (0) 50 212 350 www.kartitsch.com
Villgratental, Tel. +43 (0) 50 212 340 www.villgratental.com

Empfohlene Karten:
Kompass Rad Skitouren 45 Defereggental Villgratental 1:50.000
Kompass Rad Skitouren 47 Lienzer Dolomiten 1:50.000
Kompass Rad Skitouren 46 Matrei in Osttirol Kals am Großglockner 1:50.000

Kompass DVD Österreich, ISBN 978-3-85491-629-1, Kompass DVD Über die Alpen, ISBN 978-3-85026-430-3. (Die Karten lassen sich auch auf GPS-Geräte, iPhones und Android übertragen).
Hier können Sie die Karten und die DVD kaufen.

Literatur:
Walter Mair: Das Osttiroler vier Jahreszeiten Wanderbuch. Tyrolia-Verlag, Innsbruck.
Reinhard Rampold (Hg.): Kunstführer Tirol. Tyrolia-Verlag, Innsbruck.
Anton Prock: Reiseführer Tirol. Tyrolia-Verlag, Innsbruck.
Hier können Sie die Bücher kaufen.

Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

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