Samstag, 3. März 2018

Bergurlaub in Valsugana Lagorai

Butter, Käse und Milch von der „Adoptiv-Kuh“ im Valsugana

Das Valsugana ist bekannt für seinen typischen Bergkäse – und für seine originellen Ideen. Um den „Slow Food Almkäse“ und die köstliche Almbutter noch besser an die Frau, den Mann und die Kinder zu bringen, können Gäste eine Kuh adoptieren und sie im Sommer auf der Alm besuchen.

Etwa 150 Kühe verbringen mit ihren Sennern die „Sommerfrische“ auf den 15 Almen nördlich und südlich des Valsugana zwischen Panarotta, Altopiano di Vezzena und dem Passo Brocon in der Lagorai-Kette. Im Folder „Adotta una mucca“ (www.visitvalsugana.it/adottaunamucca) kann sich jeder unter den bildhübschen Exemplaren sein Prachtexemplar aussuchen – und um 60 Euro pro Saison adoptieren – samt Identitätsausweis mit Hufabdruck. Egal, ob man sich für Nutella, Panna, Cioccolata, Peppa, Polenta oder Linda entscheidet: Zehn Euro vom Adoptionspreis gehen an einen wohltätigen Zweck. Zwischen Mitte Juni und Mitte September können die „Adoptiveltern“ ihrer Kuh einen Besuch abstatten und für die restlichen 50 Euro bei den Sennern Butter und Käse einlösen. Für Familien ist das ein besonders schönes Urlaubserlebnis.

Von Peppa auf der Panarotta
Die Lagorai-Bergkette im Norden des Valsugana ist eine der größten naturbelassenen Landschaften im Trentino. Ihre schwarz-rot-grünlichen Porphyrwände ragen fast bis an die Dreitausendergrenze heran. Auf den malerischen Almen wird heute noch wie vor Generationen Käse hergestellt. Es gibt Hunderte Kilometer Wanderwege, die sich auch für mehrtägige Touren anbieten, etwa den Granit-Höhenweg oder den Lagorai Panoramaweg. Bei Familien hoch im Kurs liegen die Halb- bis Eintagestouren auf der Panarotta über Levico Terme, im Val di Caldenave und im Val Calamento mit dem einzigen WWF-Naturschutzgebiet im Alpenraum. Eine Rast bei typischen Almhütten aus Stein und Holz darf dabei nicht fehlen. Auf dem Altopiano di Vezzena, südlich des Tales, kommen Wanderer unmittelbar zum Pizzo di Levico mit einer alten österreichisch-ungarischen Festung aus dem 1. Weltkrieg mit einem wunderschönen Ausblick auf die Seen von Levico und Caldonazzo – und einer neuen Aussichtsplattform.

Verwoben mit Natur und Geschichte im Valsugana
Das internationale Natur-Kunst-Projekt Arte Sella ist seit 30 Jahren eng mit Valsugana verwachsen. So wie auch die Festungen aus dem 1. Weltkrieg, auf die man hier rinfsum trifft. Tipp: Die Ausstellung „Parole scavate“ auf der Festung Colle delle Benne.

Der ArteNatura Themenweg liegt im Val di Sella, oberhalb von Borgo Valsugana. Wer ihn geht, entdeckt riesige, ausschließlich aus Naturmaterialien geformte Skulpturen, die an Kokons, Bienenkorbe oder Tiere erinnern. Auch eine imposante Pflanzenkathedrale aus wachsenden Bäumen des lombardischen Künstlers Giuliano Mauri tut sich auf. Unterwegs tauchen mystische, mit natürlichem Harz überzogene „räudige“ Wölfe und aus Blättern geformte Hirsche auf, welche die Künstlerin Sally Matthews in die Landschaft gestellt hat. Diese „Pinakothek in Chlorophyll“ am Südhang des Monte Armentera „springt“ jeden an – nicht nur Kulturreisende, die sich mit zeitgenössischer Kunst und Arte Povera auseinandersetzen.

Eines der letzten Werke stammt vom belgischen Künstler Arne Quinze. Er hat seine monumentale Installation Trabucco di Montagna“ in der Nähe der Malga Costa Alm inszeniert. Bei allen diesen Land-Art-Skulpturen handelt es sich um „Works in Progress“, die sich mit jedem Tag unter freiem Himmel verändern und mit der Natur verwachsen. Über 60 solche Kunstwerke gibt es für Interessierte zu entdecken – davon sieben rings um die Villa Strobele.

100 Jahre Zeitgeschichte und Frieden zwischen Italien und Österreich
Ein Stück Zeitgeschichte liefern die vielen historischen Dokumente aus dem 1. Weltkrieg im Valsugana. Auf der Hochebene von Vezzena und in der Lagorai-Kette trifft man auf alte Stellungen, Schützengräben, Bunker, Treppen, Grenzsteine und Befestigungsanlagen. Sie erinnern an den erbitterten Dolomitenkrieg zwischen Italien und Österreich-Ungarn im Rahmen des ersten Weltkrieges. Die strategisch besten Beobachtungsposten „besetzen“ heute Wanderer. Die Festung Pizzo di Levico etwa, vor der die Felswände fast 1.400 Meter tief ins Tal abfallen, die Festung Busa Granda auf der Panarotta und die kürzlich restaurierte Festung Colle delle Benne bei Levico Terme. Dort zeigt der international bekannte Skulpteur Bruno Lucchi zurzeit eine einprägsamen figurativen Plastiken aus Terrakotta und Bronze. Die gesamte Ausstellung unter dem Titel „Parole scavate“ thematisiert in eindrucksvollen bildhauerischen Installationen den ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren zu Ende gegangen ist. Das große Thema ist bei Lucchi der Mensch, der mit seinem persönlichen Leiden die Geschichte des Krieges wirklich gelebt und geprägt hat.

Geschichtliche Zeugen bis zu den Römern zurück
Im Tal treffen Wanderer und Radfahrer auf Zeugen aus der römischen Geschichte. Türme und Meilensteine zeugen von der Via Claudia Augusta Altinate, die einst Richtung Venedig durch das Valsugana führte. Aus dem Mittelalter stammen zwei bedeutende Bauten des Valsugana: der einstige Adelssitz Castel Ivano, nicht weit von Borgo Valsugana, und das Castel Pergine, das mächtig auf einem Schlosshügel thront und eine traumhafte Aussicht auf Pergine, das Fersental und den Caldonazzo-See bietet. Wer oben steht, kann nachvollziehen, dass hier jahrhundertelang die wichtige Verbindung zwischen Venedig, Trento und dem Norden überwacht wurde.

Weitere Informationen:
Tourismusverband Valsugana Lagorai
I-38056 Levico Terme (TN), Viale V. Emanuele, 3
Tel. +39 0461 727700
www.visitvalsugana.it                                    

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