Freitag, 18. Mai 2018

Brauchtum im Salzburger Lungau


Von Zwergen, Riesen und der hohen Kunst des Preberschießens


 Für eine Prangstange benötigt man um die 60.000 Blüten, die von den Familien der Prangstangenträger mit fleißigen Händen gebunden und kunstvoll auf die Prangstangen aufgebracht werden. Bildrecht: Ferienregion Salzburger Lungau

Die Urlaubsregion Salzburger Lungau ist nicht nur berühmt dafür, die meisten Bergseen im SalzburgerLand zu beheimaten, sondern auch für eine lebendige Brauchtumskultur. Hier spielen alpine Traditionen und Bräuche nach wie vor eine zentrale Rolle. Während des Almsommers und Bauernherbstes feiern Urlauber gemeinsam mit den Einheimischen jahrhundertealte Feste, die seit Generationen innerhalb der Familien überliefert und praktiziert werden, wie das Samsontragen oder die Prangstangenfeste am 24. Juni in der Naturparkgemeinde Zederhaus und am 29. Juni 2018 in der Nationalparkgemeinde Muhr. 

Eduard Fuchsberger, Vorstand des Lungauer Volkskulturvereins verrät, warum der über 110 Kilogramm schwere Riese Samson, begleitet von zwei Zwergen, bereits seit über 300 Jahren durch den Salzburger Lungau stolziert, warum die Burschen aus dem Lungau statt eines Dutzends roter Rosen gleich 60.000 Blumen tragen und warum man beim Preberschießen nicht auf die Zielscheibe, sondern auf eine Reflektion im Wasser zielt.

Ein Blumenmeer an Stangen in den Lungauer Bergen
„Die Prangstangen-Prozessionen gibt es in zwei Ortschaften im Salzburger Lungau, in Zederhaus und in der Gemeinde Muhr“, erklärt Eduard Fuchsberger, dessen Leidenschaft für das Brauchtum sich durch sein ganzes Leben zieht. „Das Prangstangentragen geht auf ein Gelübde zurück. Im 17. Jahrhundert wurden unsere beiden Alpentäler von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Die Bewohner gelobten daraufhin, wenn die Plage vorbei sei, würden sie fortan am Patroziniumsfest am 24. Juni in Zederhaus und am 29. Juni in Muhr zur Ehre Gottes mit Blumen geschmückte Stangen bei der Prozession tragen“, erzählt er. 

In jeder Ortschaft gibt es circa 8 bis 15 der sogenannten Prangstangen. Diese dürfen nur von jungen Burschen getragen werden, die keine Alimentationsverpflichtungen haben. Für eine einzige Prangstange, die am Ende 80 Kilogramm wiegt, benötigt man bis zu 60.000 Blumen – vom Pflücken der Blumen bis zur fertigen Stange werden viele fleißige Hände und rund 300 Arbeitsstunden benötigt. Gepflückt werden die bunten Blüten auf den Bergwiesen und in den Gärten der Gemeinden. Als wichtigste Blumen gelten die Sunnawendla-Margeriten, aber auch Enzian, Bergwurz, Pfingstrose oder Frauenmantel findet man im Juni auf einer Seehöhe von über 1.200 Metern, wo die Almwiesen jetzt in voller Blüte stehen.

Quelle: Feuer&Flamme. DieAgentur.


Der Riese Samson im Salzburger Lungau
Das Samsontragen im Lungau stammt auch aus dem 17. Jahrhundert und ist untrennbar mit der Ansiedelung der Kapuziner im Lungau verbunden. Die erste urkundliche Erwähnung findet man im Jahr 1720. Das Tragen der Samsonfigur hat seinen Ursprung in prunkvollen Prozessionen, die biblische Szenen darstellten. „Der Riese Samson war damals nur ein Teil dieser Umzüge, die in der Zeit der Aufklärung verboten wurden, da die Obrigkeit der Ansicht war, der Glaube stünde nicht mehr im Vordergrund. Dabei war der Samson der Bevölkerung aber so sehr ans Herz gewachsen, dass die Familien im Lungau die Figuren versteckten“, berichtet der Volkskulturexperte. 

Heute finden die Samsonumzüge an mehreren Terminen während des Lungauer Almsommers und der Bauernherbst-Zeit von Juni bis September im Salzburger Lungau statt und sind in ihrer Art einzigartig in ganz Österreich. Bei diesen Anlässen tanzt der Samson begleitet von seinen beiden Zwergen und einer Musikkapelle zu Ehren der Besucher den Samsonwalzer: eine kräftezehrende Herausforderung für seinen Träger, wiegen die Riesenfiguren doch bis zu 110 Kilogramm. Seit 2010 ist das Samsontragen von der UNESCO auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes Österreich gesetzt worden. Alle Termine der diesjährigen Samsonumzüge sind unter www.lungau.at aufgeführt.

Magische Momente am Prebersee
Auch das Wasserscheibenschießen existiert in dieser Form nur im Salzburger Lungau – zahlreiche Legenden ranken sich um seine Entstehung. Eingebettet zwischen Wäldern und Almwiesen des 2.740 Meter hohen Prebers, spielt sich alljährlich am letzten Augustwochenende an den Ufern des Prebersees ein einzigartiges Spektakel ab. Beim Wasserscheibenschießen zielt der Schütze nicht auf die Scheibe selbst, sondern auf ihr Spiegelbild im Wasser. Das Geschoss prallt von der Wasseroberfläche ab und trifft im Idealfall die am Ufer aufgestellte Zielscheibe, die bis zu 120 Meter entfernt vom Schützen steht. Die besondere Zusammensetzung des Seewassers und seiner Oberflächenspannung machen dieses einzigartige Naturphänomen möglich. 

Lungauer Brauchtum in der Moderne
„Ich bin der festen Überzeugung, dass für unsere Gesellschaft funktionierende Gemeinschaften und Vereine von großer Bedeutung sind. Dabei geht es eben nicht um die Anbetung der Asche, sondern um das Weitertragen des Feuers, wie man so schön sagt. Steht doch neben der Pflege des Brauchtums auch der soziale Zusammenhalt, die Begegnungen und für viele Menschen die Bindung zur Heimat im Vordergrund! Für mich ist einer der wichtigsten Ansätze: Volkskultur muss Freude machen, für den, der aktiv dabei ist und für den, der es als Zuseher erleben möchte“, erklärt Eduard Fuchsberger. Der Verein der Lungauer Volkskultur will das Rad nicht neu erfinden, sondern das vorhandene alpine Brauchtum in seiner Einzigartigkeit und Vielfalt nicht in Vergessenheit geraten lassen. Urlauber bekommen so im Salzburger Lungau die einmalige Chance, die Alpen von ihrer traditionellen Seite kennenzulernen – wie ein waschechter Lungauer eben. Bei den Wanderungen von Almhütte zu Almhütte oder bei Ausflügen zu einem der 60 funkelnden Bergseen der Region erleben Gäste spannende Naturabenteuer und lebendiges Brauchtum unmittelbar und direkt.

Wenn ein einziger Bursche 60.000 Blüten trägt, der Riese Samson zum Tanz auffordert und man sich in ursprünglicher Natur wiederfindet, dann ist man im Salzburger Lungau angekommen.

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