Dienstag, 5. Juni 2018

Caroline Fink: Silence

Caroline Fink: Silence




Der Name ist Programm: Silence, Stille. Das zeigt schon das Cover des Buches. Ein Motiv zum Runterkommen. Zartblau bis zartgrau. Was ist es? Wolken, Meer? Man kann ins Grübeln, ja ins Träumen kommen, wenn man sich darin vertieft.

Und so geht es weiter. In der hektischen Zeit, der lauten Zeit, der Zeit der lauten, bunten, schreienden Bilder sieht man nun stille Bilder.

Passend zum Auftakt auch die Worte von Beat Sterchi zum Thema „Stille ist.“. Danach führt die Fotografin selbst in ihre Bilder ein, in ihre Welt, in ihr Motiv „Stille“. Man erfährt wie sie zu diesem Projekt fand. Ein Mittelding zwischen Kunsterklärung und Philosophie. Die Stille, das Wort Stille, schaut uns aus jedem Satz, zumindest aus jedem Absatz an.

Und dann folgen die Bilder. Wolkenstimmungen, grau verhangen, Schnee, Wasser, Wellen. Oft weiß man gar nicht, was man sieht. Nur graublaue Farben in ruhigen Formen. Stille eben. Silence.

Später kommt die warme Farbe rotorange zu den kalt-blaugrauen Farbstimmungen dazu. Noch später gelb und grün. Ist es nun Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, ist es ein Feuerschein? Manchmal sind Berge zu erkennen. Im roten Abendlicht. Man kennt die Kitschbilder, die dies suchen. Die uns aber trotzdem berühren. Hier sind es Urformen. Nicht der Berg x oder der Strand y im Abendrot. Urlandschaft, nicht zu identifizieren, aber trotzdem irgendwie bekannt.

Ein Spiel mit Farben, ein Spiel mit Formen. Mit Farben und Formen. Oft verschwommen, dann wieder fast schmerzhaft scharf gestellt, so dass jedes Krümelchen zu erkennen ist: Sand in der Wüste. Eine Düne. Ein Bild, ein Motiv, das man schon öfters gesehen hat. Aber in diesem Kontext eben noch nie.

Schließlich wird Fink aber konkreter. Die Landschaften sind deutlicher zu erkennen. Steinwüste, Flechten, Berglandschaften, Blicke in Täler, eine in Mäandern schlängelnder Fluss gar, Gräser, Blüten, Blätter und Moose, Seen und Wälder.

Und abschließend grandiose Schneelandschaften. Hier schreit einem die Stille buchstäblich entgegen, möchte man sagen, merkt aber, dass das ja Blödsinn ist.

Bei den letzten Bildern, Kompositionen in reinem Grau in verschiedenen Abstufungen, hat sich das Thema selbst übertroffen, ist die Fotografin bei der Reduktion so weit gegangen, dass der mittlerweile auch heruntergedimmte Betrachter diese Bilder in nur wenig unterschiedlichen Grautönen fast als Farbe empfindet. Man gewöhnt sich dran.

Ein Buch, das man manchem wünscht – in der Hoffnung, dass er sich darauf einlässt und es nicht mit dem Gedanken „no action“ enttäuscht beiseite legt.

Zur Fotografin:
Caroline Fink, geboren 1977, schreibt und fotografiert freischaffend in den Bereichen Berge, Alpinismus und Reisen. Am liebsten berichtet sie dabei über die stillen Seiten der Alpen, die verborgenen Winkel der Welt und Menschen, die inspirieren. Sie lebt in Zürich. Regelmässig tätig ist sie für die NZZ, die Schweizer Familie, das SAC-Magazin Die Alpen sowie weitere Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Daneben arbeitet sie an Buchprojekten und bildet sich im Bereich Multi Media Stories weiter. Im Rahmen von Tagungen zu den Themen Bergliteratur und Frauenbergsteigen nahm sie 2011 und 2012 an Anlässen in der Schweiz und Italien teil. Grundlage ihrer beruflichen Laufbahn bildete ein Soziologiestudium. In diesem befasste sie sich mit Zusammenhängen innerhalb der Weltgesellschaft und komplexen Modernisierungsprozessen in Entwicklungsländern.

Caroline Fink: Silence. 125 Seiten, cirka 80 Abbildungen. Format 27 x 21 Zentimeter, Hardcover. AS Verlag, Zürich, 2018. ISBN: 978-3-906055-79-4. CHF 48,00, 44,90 € (D).

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