Mittwoch, 20. Dezember 2017

Harald Weiß: Vom Berg gefallen

Harald Weiß: Vom Berg gefallen



Was Harald Weiß denkt, das schreibt er. Der begeisterte Kletterer ist ein scharfer Analyst seiner selbst und seines Tuns. Das inhaltlich Bittere hüllt er in sprachliche Süße: dem Genuss beim Lesen folgt beim Verdauen ein Grummeln im Bauch.

Mit überbordender Phantasie beschreibt der „nicht gewordene“ Theologe seine Erlebnisse, seine Träume und Gedanken, seine Gefühle rund ums Klettern, beschreibt er die Personen seiner Geschichten. Manchem Nicht-Kletterer mag beim einen oder anderen Kapitel ein Schauer über den Rücken laufen - aber das will man ja eigentlich auch, wenn man ein spannendes Buch liest. Zumal eines, das sich so lohnt wie dieses, eines, bei dem es schwer fällt, abends das Buchzeichen hineinzulegen und sich Schlafen zu legen.

Zum Hineinschnuppern, hier ein Auszug aus dem Buch:
Auf der einen Seite des Tales sitzt im offenen Plumpsklohäuschen mit herunter gelassener Hose und kalt umwindetem Hintern Wallis-Weiß. Auf der anderen Seite klotzt die Matterhorn Nordwand mit einer fahlen Wolke in ihrer Mitte. Aug in Auge der kleine Scheißer und die beschissene Große. Nicht in dieser steilen Wand hängen zu müssen, vor Angst und Kälte schlotternd und darauf wartend, zu verrecken, gibt es für Wallis-Weiß keinen schöneren Platz auf dieser Welt als auf 3200 Metern Höhe in diesem einen Quadratmeter kleinen Holzverschlag über einer Tonne halb gefrorenen Kots und Urins sitzend, an der Nasenspitze und am blanken Hintern den kalten Wind spürend, mit weitgeöffneter Tür sich genüsslich der Entleerung seines Darms und seiner Blase und dem Anblick der Matterhorn Nordwand in wohlig sicherer Entfernung hinzugeben. Scheißend schauend sitzt er und genießt. Er lässt es plätschern und platschen und die Matterhorn Nordwand sieht zu.

Zum Autor:
Als Harald Weiß Theologie studierte, machte er sich zu Beginn keine, am Ende viele Gedanken darüber, dass er sich wissenschaftlich mit etwas beschäftigte, dem wissenschaftlich gar nicht beizukommen ist. Er verlegte daher seinen Studienschwerpunkt vom Jenseits ins Diesseits, vom Geistlichen zum Fleischlichen und wurde akademischer Sportler. Sein Bruder empfahl ihm, Seelsorger der deutschen Fußballnationalmannschaft zu werden, sein Onkel war für Krankenhauspfarrer, bevor er sich erschoss. Schließlich wurde er etwas ganz anderes und schreibt darüber.


Harald Weiß: Vom Berg gefallen. 164 Seiten. Format: 120 x 185 mm. Bindung: Softcover. Panico Alpenverlag, Köngen, 1. Auflage 2017. ISBN 978-3-95611-087-0. 10 €.
Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.
 


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