Montag, 4. Juni 2018

Tirol: Kräutermedizin am Wilden Kaiser

Region Wilder Kaiser/Tirol:
Kräuter gegen Stress
Eine Frau setzt auf Dr. Natur
  
Im Frühsommer gedeihen am Wilden Kaiser/Tirol gesunde Kräuter
 
Sie kennt sich aus in der grünen Apotheke. Gerta Grander-Eppensteiner aus Scheffau am Wilden Kaiser beschäftigt sich seit über 50 Jahren mit Heilpflanzen. Bei zahlreichen Erkrankungen nutzt die 69-Jährige die wohltuenden Naturgewächse, die auch bei seelischen Belastungen kleine Wunder bewirken. Im Interview verrät die Tirolerin die besten Rezepte gegen innere Unruhe, Anspannung und Schlaflosigkeit – ganz ohne Chemie. Und hält ein Plädoyer für die Pause. www.wilderkaiser.info

Frau Grander-Eppensteiner, woher rührt Ihre Faszination für Kräuter?
Meine Großmutter verfügte über sehr viel Wissen in diesem Bereich, aus ihrer reichen Erfahrung habe ich geschöpft. Schon als Kind, aufgewachsen auf einem Bauernhof, fand ich das Thema interessant – seither begeistert es mich. Zu meinen 17. Geburtstag schenkte mir die Oma das Buch „Kräutergold“, welches sie selber nutzte. Ein wahrer Schatz!

Und Sie absolvierten eine Reihe von Kursen?
Das kann man wohl sagen. Fast meine gesamte Freizeit gehörte den Kräutern, jeden Groschen, der übrig war, investierte ich in Fortbildungen. In der ganzen Welt konnte ich etwas dazu lernen, auch aus der tibetischen Heilkunde oder der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Sie verwenden nicht nur Heimisches?
Die Pflanzenwelt ist für die Gesundheit unerschöpflich. Alles, was wir brauchen, findet sich vor der Haustür. Für jedes Gewächs zum Beispiel aus China oder dem Tibet gibt es ein Pendant bei uns mit den gleichen Wirkstoffen. Und das empfehle ich.

Was eignet sich, wenn die Seele krankt?
Viele verursachen sich selbst Stress, meist durch zu große Erwartungen und Ansprüche. Jeder Mensch braucht ein Maß an Spannung. Doch anhaltender Druck ist Ursache vieler Übel.

Ist das eine Hommage an das Innehalten?
Ja, man muss erkennen, wann eine Pause ansteht. In anstrengenden Phasen verbraucht der Körper die Nährstoffe schneller als sonst. Deshalb sollte man auf ausreichende Vitaminversorgung achten.

Welche Heilkräuter verhelfen zu mehr Stärke und Gelassenheit?
Allgemein nervenstärkend sind vor allem Ginseng, Hafer, Helm- und Eisenkraut, einzeln oder als Mischung. Muskelverspannungen lindern zudem Kamille, Hopfen, Passionsblume und Baldrian. Letzteres ist allerdings nicht über längere Zeit einzunehmen.

Gibt es einen wirksamen Stimmungsaufheller?
Dafür ist Johanniskraut altbewährt. Und ein Esslöffel roher Kartoffelsaft morgens behebt Kaliummangel, Müdigkeit und sorgt für Kraft. Aus dem hohen Norden und dem mittelasiatischen Hochgebirge ist die Rosenwurz zu uns gekommen, längst aber auch in hiesigen Steingärten zuhause. Deren Wurzel gilt als wertvollstes Mittel für Kraft und Ausdauer bei außergewöhnlichen Belastungen. Als Tee oder Pulver hemmt sie Stress auslösende Botenstoffe im Gehirn und stärkt das Immunsystem. Darüber hinaus handelt es sich dabei um ein natürliches Antidepressivum. Seit Rhodiola auch in Mitteleuropa für medizinische Zwecke angebaut wird, sind entsprechende Zubereitungen in jeder Apotheke zu bekommen.

Was kann jeder Einzelne noch tun?
Trotz all dieser Helfer werden nervöse Menschen nicht umhin kommen, ihren Lebensstil zu überdenken und für Entschleunigung zu sorgen. Wichtige Fragen dabei: Was brauche ich wirklich? Was tut mir persönlich gut?

Sie empfehlen auch eine kleine Übung …
Um in die eigene Mitte zu gelangen, hilft es, mehrmals am Tag eine Minute lang bewusst zu atmen. Auch achtsames Gehen beruhigt. Es existieren wenige Methoden, die besser zum Stressabbau taugen.

Viele Menschen quälen nachts Sorgen. Sie finden schlichtweg nicht in den Schlaf. Ihr Rat?
Ein entspannendes Bad am Abend kann Hilfe bringen. Man gibt ½ Liter Kamillentee mit 5 bis 10 Tropfen Lavendelöl in die Wanne und genießt dann eine Tasse Tee dabei. Mein bevorzugtes Kraut dafür ist die schöne Gartenpflanze Eschscholtzienkraut, der kalifornische Goldmohn. Im Volksmund heißt er bezeichnenderweise „Schlafmützchen". Die darin enthaltenen Alkaloide sind wesentlich schwächer als im Schlafmohn. Es ist absolut sanft, aber dennoch effektiv und für Kinder geeignet.

Wie bereitet man den Aufguss zu?
Man nehme 20 g Eschscholzia californica, 15 g Passiflora incarnata (Passionsblume), 10 g Stachys betonica (Heil-Ziest) sowie 5 g  getrocknete Lavendelblüten und vermischt alles miteinander. Dann 2 Teelöffel davon pro Tasse mit heißem Wasser aufgießen, nach 5 Minuten abseihen. 30 Minuten vor dem Zubettgehen trinken. Tropfenweise als Tinktur ist der Mix ebenso wirksam.

Was hilft Schülern vor Prüfungen?
Wichtig ist in jedem Fall, vorher leicht und gesund zu essen und eventuell mit einer Baldriantinktur nachzuhelfen. Die Heilpflanze besänftigt, macht jedoch nicht müde.

Solche Zubereitungen enthalten meist Alkohol …
Damit Heranwachsende das Baldrian-Elixier einnehmen können, gibt man es in eine Tasse, gießt kochendes Wasser darüber und lässt das Ganze abkühlen. Mit dem Wasserdampf verschwindet das Hochprozentige. Wer mag, vermengt die Essenz anschließend mit Saft. Das genannte Verfahren eignet sich übrigens für alle alkoholhaltigen Tropfen, wenn gerade nichts Kindgerechtes im Haus ist.

Interview: Kirsten Lehmkuhl, Angelika Hermann-Meier PR
Bildnachweise: TVB Wilder Kaiser/EA Photo; Grander-Eppensteiner  
 
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