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Wanderdrehkreuz Sterzing
Zwischen
Gipfeln, Almen und spritzendem Wasser
Sterzing kennt ein jeder, der jemals
auf der Brennerautobahn in den Süden, in das Land, in dem die Zitronen blühen,
gefahren ist. Auch wenn er nicht in Südtirol „hängen geblieben“ ist, sondern es
ihn weiter nach Süden gedrängt hat. Schließlich ist dort die erste Mautstation
nach dem Brenner.
Auffahrt mit der Bahn
Aber wer
kennt Sterzing, die kleine, pittoreske Fugger- und Bergwerkstadt wirklich? Ich habe
sie zumindest öfters als idyllischen Rastplatz vor der Weiterfahrt angefahren
und mich durch einen Stadtbummel durch die alten Gassen erholt. In dem Jahr mit
dem legendären Sommer, 2026, jedoch musste es aber mal sein – ich habe wirklich
ein paar Tage dort verbracht, mir die Bergwelt um das mittelalterliche
Städtchen angesehen, eine Alm aufgesucht und die Wasserfälle erkundet.
Mittelalter satt …

Die 980
Meter hoch gelegene Fuggerstadt Sterzing im Norden Südtirols selbst wurde 1182
in einer Urkunde des Stiftes Sonnenburg erstmals genannt. Seinen früheren
Reichtum verdankte sie u.a. den reichen Silberbergwerken in den Tälern der
Umgebung.
Heute ist sie ein Genuss für Freunde alter, mittelalterlicher
Stadtbilder: prächtige Bürgerhäuser und malerische Plätze, Straßen und Gassen –
zum Beispiel die malerische Hauptstraße
entlang der Alt- und Neustadt, in der man
sich an alten Häusern und unzähligen verspielten Erkern nicht sattsehen kann.
Sehenswert sind außerdem das Deutschordens-Haus
mit dem Multscher- und Stadtmuseum, in dem man nicht nur Einblick in das Leben
der Ordensritter bekommt, sondern auch Teile des Meisterwerks
des Ulmer Bildhauers Multscher sieht. In
der Pfarrkirche kann man dann die Originalfiguren des berühmten
Multscher-Altars bewundern.

Das Rathaus wird als bauliche Perle im gesamten
Tiroler Raum bezeichnet, wobei insbesondere der Erker als einer der schönsten
in Tirol gilt. Die charmante Alpenstadt Sterzing
wurde vor einigen Jahren sogar zu einer der schönsten Kleinstädte Italiens
gekürt.
… und nicht zu
vergessen: die Berge!
Dazu das, was
uns am meisten interessierte: ringsum, wie aus dem Bilderbuch, die mächtige Bergkulisse
des oberen Eisacktals, die zum Greifen nahe scheint. In sie sollte es in den
nächsten Tagen gehen.
Stadtnah ins Almgebiet:
hinauf auf den Rosskopf
In zwölf
Minuten bringt die Bergbahn fast direkt aus dem Stadtzentrum nicht ganz so
fitte Bergfreunde – und solche, die ihren Wandertag am liebsten gleich oben
beginnen – hinauf auf den Hausberg von Sterzing, in das rund 2000 Meter hoch
gelegene Ski- und Wandergebiet Rosskopf. Für Winterfans: Das
familienfreundliche Skigebiet bietet Pisten für Anfänger wie auch für
ambitionierte Skifahrer, insgesamt 20 Pistenkilometer. Auf Rodler wartet die
mit 10 Kilometern längste beschneite und beleuchtete Rodelbahn Italiens. Hier fand übrigens 1969 der erste Ski-Weltcup der Damen statt. Und im Sommer genießen Genusswanderer
und Bergfreunde den beeindruckenden
Panorama-Rundblick.
Um das
Bergmassiv findet man hier herrliche Wanderwege und Almhütten und mit dem Rossy
Walk für Kinder und der rasanten Sommerrodelbahn „Panorama Mountain Coaster“ für
den, der’s mag, auch andere Möglichkeiten des alpinen Zeitvertreibs außer
Wandern.
Ein
kleines Paradies, das Almdorf der Vallming-Almen
Meine
erste Unternehmung führte mich folgerichtig bequem und mit der Rosskopfbahn und
einem Umstieg in die noch weiter hinauf fahrende Panoramabahn bis unterhalb des
Gipfels des pyramidenartigen Rosskopfs. Von der Bergstation geht es noch etwa
20 Minuten teilweise steil weiter hinauf zum Gipfel, dem Köpfl. Unterwegs lag
rechts des Weges eine Aussichtsterrasse, auf der auch die umliegenden Südtiroler
Berge wie zum Beispiel Hohe Kreuzspitze, Pflerscher und Gschnitzer Tribulaun,
Olperer und Hohe Wand aufgezählt sind.

Danach folgte das Köpfl,
das ob seiner Alleinlage einen weiten Rundumblick bot. Hier sammelten sich auch
zahlreiche Wanderer. Danach folgte der Abstieg. Nach der Aussichtsterrasse orientiere
ich mich in Richtung „Bergstation Rosskopfbahn“. Begleitet von lustigem
Kuhglockengebimmel aus allen Himmelsrichtungen führte der schmale Pfad durch
bereits orangebraun leuchtende Preiselbeerbestände – in denen auch fleißig
gesammelt wurde – und ebenso gefärbte Wiesen. Nach einer Schaustation für die
Wanderer, bei der man durch hölzerne „Ferngläser“ einen geschärften Blick zu
den Bergen hat, folgte eine Dreiergabelung. Hier zeigte der Wegweiser geradeaus
nach Gossensass, rechts zur Bergstation und links zur Vallmingalm. Sie war ja
das Ziel, also auf einem Pfad in einer halben Stunde hinabmarschiert!
Wer
will, kann allerdings noch geradeaus weiterwandern zum geschützten Biotop
Kastellacke.
Der kleine, idyllische Bergsee lädt zu einer kurzen Rast ein. Bei
klarem Wetter spiegeln sich die umliegenden Gipfel und Wolken im Wasser und an
klaren Tagen reicht der Blick von hier oben über das Wipptal hinweg bis zu den
markanten Gipfeln der Dolomiten. In
diesem landschaftlich sehr reizvollen Gebiet finden zahlreiche Pflanzen- und
Tierarten einen wertvollen Lebensraum. Ist man im Frühjahr unterwegs, staunt
man über die Rottöne des Wassers – es ist durch Algen gefärbt. Auch von hier kann
man nach links zur Vallmingalm gelangen.
In
beiden Fällen wandert man weiter steil hinab und schon bald sieht man sie von
weitem, die unter schroffen Felsen liegende und von saftigen Weiden und im
Sommer bunten Wiesen umgebene Vallmingalm. Sie liegt auf
etwa 1800 Metern Meereshöhe in einer Senke zwischen Berggipfeln am Ende eines
Seitenarm des Pflerschertals. Zum Eindruck eines kleinen Dorfes tragen
außer den drei Jausenstationen, den Käsereien – dem Jörgner Kaser, dem Baron Kaser und dem Walter Kaser, die Nebengebäude
wie Viehställe, Höfe und die überall sichtbaren landwirtschaftlichen
Gegenstände bei.

Hier
lebt man noch traditionelle Almwirtschaft, im Sommer werden von Mitte Juni bis
Mitte September bis zu 200 Kühe gealpt und die Milch zu typischem Vallminger
Graukäse, Almkäse oder Almbutter verarbeitet. Die Rückstände, sprich Jute oder
Molke, werden an die hier ebenfalls
lebenden Schweine verfüttert, aus denen später die hausgemachten Kaminwurzen
und der schmackhafte Schinkenspeck gemacht werden. Almkost ist halt nicht
vegetarieroptimiert … Alles kann man vor
Ort verkosten. Und sollte jemand eher auf Süßes stehen: Auch der Kaiserschmarrn
wird sehr gelobt. Danach ging es wieder zurück, nun bergauf bis zu der Gabelung
und danach über die Wiesen hinab zur Bergstation.
Wer eine
etwas längere Variante dieser Tour unternehmen will hat verschiedene
Möglichkeiten.
Eine empfehlenswerte
Wandermöglichkeit vom Rosskopf aus ist der Dolomieu-Weg (6 Almenweg). Diese
Ganztageswanderung führt von der Bergstation Rosskopf an sechs bewirtschafteten
Almen entlang bis ins hintere Pflerschtal.
Wasserfälle und Klammen
gehen immer:
Vom Moassl-Wasserfall …
© Tourismusgenossenschaft
Sterzing Pfitsch Freienfeld / 99tales
Meine alte
Leidenschaft gehörte ja schon immer dem Wasser. Wasserfällen, Schluchten und
Klammen, Bächen und Seen habe ich nie widerstehen können. Um Sterzing wird man
dabei auch fündig. Ich wollte nicht weit weg, denn wenn ich schon in einem
großartigen Städtchen wohnte, wollte das ja auch genießen. Aber als Nahziel in
Sachen Wasser bot sich das Pfitschtal an, in dem der mächtige Moassl-Wasserfall
lockte. Vom Parkplatz in St. Jakob aus kann man durch die Wiesenlandschaft
gemütlich zu ihm gelangen. Und hat man Kinder dabei: Für sie würde jüngst ein
drei Kilometer langer Pilzeweg geschaffen.
… zur Gilfenklamm
© Ratschings Tourismus /
Manuel Kottersteger
Was auch ganz
in der Nähe liegt, ist eine der großartigsten Klammen des Landes: die als Naturdenkmal
geschützte Gilfenklamm. Ab Stange
bei Ratschings wandert man zu ihr entlang des Jaufenbachs. Am
kleinen Mauthäusle zahlt man seinen Eintritt, dann geht man zunächst einige
Minuten am noch recht ruhig dahinfließenden Bach entlang, bevor es „zur Sache“
geht.
Besichtigt
werden kann die Klamm seit 1896. Bereits zwei Jahre danach wurde sie auf den
Namen „Kaiser-Franz-Josefs-Klamm“
getauft, da der Kaiser den Ausbau beauftragte. Er wurde dann vom
Österreichischen Alpenverein als Fußpfad angelegt. Die Klamm wird von den
tosenden Wassermassen des Ratschinger Bach durchflossen, wobei man bei einer
Besichtigung auf dem 2 ½ Kilometer langen Wanderweg über Hängebrücken und Treppen kommt und atemberaubende
Tiefblicke genießen kann. Wasserfälle, wildes Sprudeln, Spritzen und Schäumen
zeigen hier die Urgewalt des Wassers. Der zentrale Teil der Schlucht ist 400 Meter lang. Unterwegs kommt man an der
„Kirche“ vorbei, die sich als riesiger Trichter entpuppt, durch den das Wasser 15
Meter senkrecht in die Tiefe stürzt.
Berühmter Marmor
Hier im Tal steht
– wie z.B. auch in Laas im Vinschgau – der berühmte weiße Marmor an. In ihn hat
sich das Wasser rund 15 Meter in eingegraben. Manchmal kann man den weißen
Marmor noch entdecken, ja die Schlucht gilt sogar als einzige reinweiße
Marmorschlucht der Welt, wie ich erfahren habe. Im Untertagebau werden auch
heute noch jährlich bis zu 330 000 Tonnen Marmor gefördert, die aber
hauptsächlich zu Mehl verarbeitet werden. Früher war das anders, denn ein Teil
des Marmors der Hofkirche Innsbruck
stammt von hier und auch beim Bau von Schloss Schönbrunn in Wien wurde er
verwendet. Die Bergbautradition reicht sogar noch viel weiter zurück, bis ins
Römische Reich, denn im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen kann der
berühmte, bei Sterzing gefundene Mithrasstein, ein Marmorrelief des
Sonnengottes Mithras, bewundert werden. Sein Kult war im 2. und 3. Jahrhundert
n. Chr. weit verbreitet.
Mit diesen
beiden Beispielen sind aber noch nicht alle „Wasserabenteuer“ der Gegend
aufgezählt. Sehenswert sind noch der Hölle-Wasserfall im Pflerschtal, die
Burkhardklamm bei Maiern im Ridnauntal und der Gurgl-Wasserfall im Jaufental.
Und mit
diesen spritzigen Erlebnissen war auch mein erlebnisreicher Aufenthalt in
Südtirol wieder vorbei.
Dieter Buck
Info:
www.sterzing.it
www.vallmingalm.it
www.facebook.com/sterzing.ratschings
www.instagram.com/sterzing_ratschings_vipiteno
Karte:
Kompass
Wanderkarten-Set 699 Südtirol, Wander- & Fahrradkarte, 1:50 000
Unterkunft:
Haus am Turm,
Sterzing
www.hausamturm.it
Das aus dem
14. Jahrhundert stammende, ehemalige Bergrichterhaus glänzt mit moderner
Designausstattung und liegt – gut schallisoliert – mitten in der sehenswerten
Altstadt von Sterzing.
Hier findet man Fotos, Filme und
weitere Informationen über Sterzing und die Wandermöglichkeiten
Fotos
über die Wanderung zum Rosskopf und über die mittelalterliche Stadt Sterzing findet man in Instagram unter:
dieter_buck_wanderautor
Filme
über Sterzing
https://youtu.be/x9nN6xM5x3Q
https://www.youtube.com/watch?v=5uhmpZDESHA&list=PLqj-XoBEAIOgVeomJWdEdpXuBrPPphVDQ
https://youtu.be/uIOMgneK-VQ
https://youtu.be/jS32DaZEAvw
https://youtu.be/8H6ylOJDD4Q
https://www.instagram.com/reel/DdJnQbhs0SZ/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
https://www.instagram.com/reel/DdJl-5QsAMK/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
https://www.instagram.com/reel/DdJk5yHMo7u/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
über wandern
am Rosskopf
https://youtu.be/JHtOtSnmxe8
https://youtu.be/7V-QqJ5_UQE
https://www.instagram.com/reel/DdJsjmGMJqz/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
https://www.instagram.com/reel/DdJqmiAMJQp/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
https://www.instagram.com/reel/DdJpb0CMO5b/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
https://www.instagram.com/reel/DdG_MPQsEaZ/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==
über wandern
im Pfitschtal
https://youtu.be/UY_UvzoqRjI
über wandern durch die Gilfenklamm
https://www.suedtirolerland.it/de/highlights/natur-und-landschaft/naturschauspiele/gilfenklamm-bei-sterzing/
https://youtu.be/Jy9pOVtNJ4U
https://youtu.be/g6JqqV3ziyw
Weitere
Wanderinfos:
Themenwege
https://www.sterzing.com/de/aktiv/wandern-bergsteigen/themenwege.html#cat=Themenweg&filter=r-fullyTranslatedLangus-,r-openState-,sb-sortedBy-0&zc=12.,11.52294,46.92893
Wanderrouten
https://www.sterzing.com/de/aktiv/wandern-bergsteigen/wandertouren.html#cat=Wandern-main,Wanderung,Fernwanderweg,Pilgerweg,Themenweg&filter=r-fullyTranslatedLangus-,r-openState-,sb-sortedBy-0