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Montag, 18. November 2024

Christoph Frühwirth: Magisches Räuchern und gestohlene Maibäume. Alpenländische Bräuche und Rituale im Jahresverlauf

 Christoph Frühwirth:

Magisches Räuchern und gestohlene Maibäume

Alpenländische Bräuche und Rituale im Jahresverlauf

 

Weihnachten ist gemeinhin das Fest der Tradition, und viele, die Kirchen sonst nur von außen ansehen, sind dann in ihnen zu finden. Tradition halt.

Aber auch zu anderen Zeiten leben traditionelle Rituale auf. Über das ganze Jahr verteilt.

Rituale strukturieren unser Leben

Rituale geben Halt und sind Ausdruck unseres kulturellen Miteinanders. Christoph Frühwirth beleuchtet in diesem Buch die schönsten alpenländischen Rituale im Jahreslauf. Wobei der Alpenraum ja ohnehin die Umgebung ist, der die meisten Menschen die meisten und schönsten Rituale zusprechen, ob zu Recht oder nicht – ich habe es nicht geprüft.

Bräuche und Traditionen begleiten die Menschen im Alpenraum von Kindesbeinen an, sei es das magische Räuchern zum Jahreswechsel, das Maibaumaufstellen, der Kirtag oder der Almabtrieb.

Rituale und Brauchtum sind fest verankert in der bäuerlichen Kultur des Alpenraums. Sie geben uns Halt, stiften Sinn und Gemeinschaft.

Christoph Frühwirth

Der Autor versammelt in diesem Buch Rituale im Laufe der Jahreszeiten und zu den wichtigsten kirchlichen Festkreisen wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Viele Rituale und Brauchtümer sind auch außerhalb des Alpenraums bekannt und beliebt – der Almabtrieb ist nur ein Beispiel von vielen. Frühwirth betrachtet den Fasching, das Erntedankfest und Allerseelen und stellt die »Nikolofrau« vor. Im Gespräch mit einem Bauernsohn geht er der Frage auf den Grund, warum die Rhythmen der Rituale den Bauern von einst das Überleben sicherten und auch heute noch so wichtig sind. Ein emotionales, mal heiteres, mal besinnliches Nachschlagewerk zum Innehalten, aber auch ein Lexikon des Außenstehenden, Fremden, der nachlesen kann, was das für ein Brauch ist, den er gerade erlebt oder von dem er gelesen oder gehört hat.

Gerade jetzt, zum Erscheinungstermin des Buches kurz vor der Advents- und Weihnachtszeit, der „staden Zeit“ eben, ist sicher der beste Termin für ein solches, im wahrsten Sinne des Wortes wichtiges, Buch. Auf dass nichts in Vergessenheit gerate. Das wie alle Servusbücher wunderschön gestaltete – und mit einem Lesebändchen versehene Werk ist ein Gewinn für jeden Bücherschrank. Und das nicht nur für solche, deren Besitzer eh an solchen Themen interessiert ist..

Zum Autor:

Christoph Frühwirth versteht sich als Handwerker im klassischen Sinn: Er arbeitet immer von Hand. Ob für das Theater, den Film oder Magazine. Als Schriftsteller war er unter anderem mit »Trautmann« Wolfgang Böck im Oldtimer unterwegs und mit dem »Bockerer« Karl Merkatz auf den heimischen Bühnen. Als Dramatiker zeichnet er sich für einen der größten heimischen Publikumserfolge der letzten Jahre aus: den »Blunzenkönig«. Sein Lebensthema ist »Land und Leute«.

Christoph Frühwirth: Magisches Räuchern und gestohlene Maibäume. Alpenländische Bräuche und Rituale im Jahresverlauf. 192 Seiten, zahlreiche Farbfotos, Format 145 mm x 210 mm.  SERVUS, Salzburg-Wien, 2024. ISBN: 13 9783710403750. 25 €, 34,50 CHF

Dieter Buck

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Freitag, 27. November 2020

Kärnten und Weihnachten: Für Glück und das Gute im Neuen Jahr

Seltene Kärntner Bräuche in der Winterzeit

 

Foto: ©+Kaernten+Werbung_MS-Photo_Pehtra-10

In Kärnten, an der sonnigen Südseite der Alpen, gehört die stille Zeit des Jahres den Menschen: In „gewöhnlichen“ Jahren bringen Kärntner Advent- und Winterbräuche Jung und Alt zusammen. Heuer, im Jahr von Corona-Virus und Einschränkungen, wird an die schönsten Bräuche rund um das Weihnachtsfest nur gedacht.

Nicht alle können in gewohnter Art und Weise stattfinden. Aber davon erzählen und sich auf das nächste Mal freuen, das können die Kärntner. Auf blühende Zweige, die eine Hochzeit erwarten lassen; Auf Tische, die mit Ketten umwickelt werden und eine gute Ernte bringen sollen; Auf Kinder, deren „Schappen“ den Erwachsenen Glück und Gesundheit bringen soll und auf das „Kirchleintragen“ im Vellachtal, das vor Hochwasser schützt.

Blühende Zweige, die Glück bringen

In Kärnten gibt es am 4. Dezember einen Brauch zum Mitmachen:  Am sogenannten „Barbaratag“ werden Zweige von einem Obstbaum (meist Kirsche oder Apfel) oder einer Forsythie geschnitten und ins Wasser gestellt. Blühen die Zweige bis zum Heiligen Abend auf, sollen sie den Zauber des Lebens in der Winterzeit symbolisieren und Glück und Segen für die Familien bringen. Junge Mädchen dürfen übrigens jedem Zweig den Namen eines Verehrers zuweisen. Der Zweig, der zuerst aufblüht, wird der Glückliche – sagt man. Und vielleicht steht sogar eine Hochzeit ins Haus.

„Roateln“

Einen „scharfen“ Weihnachtsbrauch gibt es im Lavant- und im Görtschitztal, das sogenannte „Roateln“. Alles, was eine Schneide hat, wird vor Weihnachten geschärft und am Heiligen Abend unter den weiß gedeckten Tisch gelegt. Auf dem Tisch stehen ein Reindling, ein traditioneller Kärntner Kuchen, eine Schale Weihwasser und Kerzen. Die Tischbeine werden mit eisernen Ketten umwickelt. So bleibt der Tisch bis zum Neujahrstag stehen. Es ist ein uralter Abwehr- und Bindezauber, der den Bauern Glück und eine gute Ernte bringen soll.

Christbaumversenken und Pferdesegnung

Ein anderer, durchaus spektakulärer Brauch ist das Christbaumversenken am Sonntag vor Weihnachten. Damit wird aller im See verunglückten Menschen gedacht. Der Brauch lebt zum Beispiel am Wörthersee, Ossiacher See, Silbersee, Aichwaldsee, Millstätter See und Klopeiner See. 

Am 26. Dezember wird der Stefanitag begangen. Im traditionellen bäuerlichen Leben war er ein wichtiger Tag mit Markt, Pferdehandel und oftmals dem Wechsel des Arbeitsplatzes von Knechten und Mägden. Ein bis heute lebendiger und spezieller Brauch an diesem Tag ist der Stefaniritt und die damit verbundene Pferdesegnung, wie sie unter anderem noch in St. Stefan, St. Michael, St. Johann (alle Lavanttal), Keutschach und St. Donat stattfindet. Durch die Weihe sollen die Pferde vor Krankheit und Unheil bewahrt werden. ​

Wenn Erwachsene mit einer Rute „geschappt“ werden

Kinder kommen mit einem Tannenzweig, schlagen den Erwachsenen damit auf den „Allerwertesten“ und werden dafür mit Geld und Süßigkeiten belohnt? Das gibt es nur einmal im Jahr - und zwar am 28. Dezember, dem „Unschuldigen Kinder Tag“. Bereits früh morgens ziehen die Kinder in die Nachbarschaft, um die Erwachsenen mit einer Rute zu „schappen“, was ihnen Glück und Gesundheit bringen soll. Dazu sagen sie dieses Gedichtlein auf:  

„Frisch und g’sund, frisch und g’sund, long leb‘n und g‘sund bleib’m!

„Pehtra Baba“ und Kirchlein tragen in Bad Eisenkappel 

Lokal gibt es sehr unterschiedliche Bräuche. Im Süden von Kärnten kommt die „Pehtra Baba“ in den Raunächten im Jänner. Sie stellt ein hässliches, altes Weib dar mit einem schwarzen Tuch vor dem Gesicht und einer großen zweizinkigen Gabel. „Pehtra Baba” geht von Haus zu Haus und bekommt Würste, um das Haus im laufenden Jahr vor Unheil zu bewahren. Den Kindern lässt sie Nüsse und Apfelspalten zurück. 

Die Bad Eisenkappler Kinder übergeben am 1. Februar, dem Abend vor Maria Lichtmess, selbstgebastelte, hellbeleuchtete und auf langen Stöcken getragene Kirchlein dem Vellach Bach, der im Mittelalter über die Ufer getreten war und die Ortschaft überschwemmte. Die Dorfbewohner flüchteten einst zur erhöhten Kirche und gelobten für ihre Rettung, der Vellach alljährlich eine beleuchtete Kirche zu übergeben. Und so geschieht es bis heute.

Räuchern für das Gute im neuen Jahr

Das Räuchern ist so alt wie die Menschheit selbst und die Kärntner zelebrieren es vor allem in den Rauhnächten, also zwischen 21. Dezember und 5. Jänner. Traditionell werden getrocknete und geweihte Palmzweige von Ostern sowie Wachholder, Speik, Harze und diverse Gewürze auf glühenden Kohlenstückchen zum Glimmen gebracht. Am besten in einer kleinen Räucherpfanne mit löchrigem Deckel aus Metall. Mit dieser werden anschließend alle Räume des Hauses abgeschritten, was im kommenden Jahr vor Unheil und Krankheit behüten soll. Da jedes Kräuterl seine eigene Wirkung hat, erfreut sich das Räuchern das ganze Jahr über an Beliebtheit. So wirkt Kalmus reinigend und stärkend, Wacholder antibakteriell und mutstiftend, Kamille gilt als „Seelenbalsam“.

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Dieter Buck

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Sonntag, 1. Dezember 2019

Ruhpolding: Brauchtum und Skigeniss

Unbezahlte Werbung
Advent fürs G‘miat in Ruhpolding



Der Ruhpoldinger Advent ist eine Zeit der leisen Zwischentöne, der Traditionen und echter bayerischer Gemütlichkeit. Vom Krampuslauf über den Lichteradvent bis zum Rauhnachtsmarkt spannt sich der Bogen an Veranstaltungen, die Ehrfurcht und Glitzern in die Augen zaubern.

Dem Weihnachtstrubel mit Weihnachtsgebimmel aus der „Dose“ sowie Massenaufläufen in Einkaufsstraßen und auf Adventsmärkten gehen viele Menschen gerne aus dem Weg. Auf der Suche nach „der stillsten Zeit im Jahr“ werden sie in der oberbayerischen Gemeinde Ruhpolding fündig. In dem Bilderbuchort mit den schmucken Lüftlmalerei-Fassaden unter der prächtigen Barockkirche ticken die Uhren zum Glück ein bisschen anders. Advent ist hier noch eine Zeit zum Zusammensitzen, Lauschen und still Genießen.

Krampusse und „Rauschberg-Engel“
Dabei ist der Aufmacher für diese Zeit alles anders als leise: Die schön-schaurigen Krampusse der Rauschbergpass (23.11.19) mit ihren handgeschnitzten Holzmasken und dem zotteligen Fell lernen Groß und Klein zuerst einmal das Fürchten, wenn sie durch Ruhpolding ziehen. Das Rasseln der riesigen Schellen und das Gebrüll hallen allerdings nicht lange nach. Dann legt sich die stillste Zeit im Jahr über das Miesenbacher Tal und in den Bergen sorgt der wahrscheinlich höchstgelegene Adventsmarkt Bayerns für große Augen und besondere Momente: Die Rauschberg-Weihnacht (30.11.+01.12., 07.+08.12.19) an der 1.650 Meter hoch gelegenen Bergstation der Rauschbergbahn zählt zu den Bilderbuch-Momenten im Ruhpoldinger Advent. Zu sehen gibt es dort nicht nur regionales Handwerk und ebensolche Schmankerl, sondern auch die imposante Bergkulisse der Chiemgauer Alpen ringsum. An knisternden Feuerstellen lauscht kann man bei Glühwein und Maroni den weihnachtlichen Weisen, lässt die Blicke schweifen und erlebt besinnliche und erhebende Momente, wie sie nur ein Advent mitten in den Alpen bieten kann.

Vom Lichteradvent zum Rauhnachtmarkt
Drunten im Tale setzt der Lichteradvent (21.12.19) seine Glanzpunkte. Nach Einbruch der Dunkelheit werden in Ruhpolding 1.000 Kerzen entzündet und die Geschäfte laden bis in die Nachtstunden zum Flanieren und Gustieren: egal ob es um einen Glühwein und typische „Boarische Schmankerl“ geht oder um Trachten, Keramik, Kunsthandwerk und Geschenke: Hier wird jeder fündig, der auf der Suche nach echten Originalen ist. Wenn die Heilige Nacht schon vorüber ist, lädt der Rauhnachtmarkt zum „Besinnungsspaziergang“ nach Ruhpolding. Zwischen Weihnachten und Silvester präsentieren heimische Handwerker und Bauern in mehr als 20 Hütten das Beste aus ihren Werkstätten und Küchen. Da sind immer wieder schöne Dinge darunter, die man sich auch nach der Bescherung gönnen darf.

Wo Tiefschnee und Wogen hochgehen
Auch abseits der Weihnachtszeit bestimmen Ruhe, Genuss und Wohlbefinden den Ruhpoldinger Winter. Rings um den oberbayerischen Bilderbuchort liegen versteckte Winkel zum Schneeschuhwandern, Rodeln, Touren gehen und gemütlich Einkehren. Im Erlebnis- und Wellnessbad Vita Alpina genehmigen sich Genießer eine Auszeit. Eine heiße Empfehlung für kalte Tage ist die Saunalandschaft mit Steinbad und Freiluft-Brechelbad. Und es werden einige Anwendungen angeboten, die dem Muskelkater oder Verspannungen nach dem Wintersport zu Leibe rücken.

Termine im Ruhpoldinger Advent
23.11.19: Krampuslauf der Rauschbergpass Ruhpolding
30.11.+01.12., 07.+08.12.19: Rauschberg-Weihnacht
21.12.19: Lichteradvent – mit 1.000 Kerzen und verlängerten Öffnungszeiten in den Geschäften
27.12.–29.12.19: Rauhnachtsmarkt

Weitere Informationen:
Tourist Info Ruhpolding
D-83324 Ruhpolding, Bahnhofstraße 8
Tel: +49 (0) 8663 8806-0, Fax: +49 (0) 8663 8806-20
E-Mail: tourismus@ruhpolding.de
www.ruhpolding.de • www.biathlon-ruhpolding.de

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Samstag, 5. November 2016

Bertl Göttl: Unser Land, unser Jahr - unbezahlte Werbung

Bertl Göttl: Unser Land, unser Jahr
Ein alpenländischer Bilderbogen



Freunde von alpenländischem, insbesondere österreichischen Brauchtum, ist er mit seinen regelmäßigen Sendungen für Servus TV bestens bekannt: Bertl Göttl, der hier ein Buch über das Brauchtum im Jahreslauf in Österreich vorgelegt hat.

Österreich ist einzigartig in seiner Landschaft und Kultur und so sind es auch die Bewohner mit ihren Bräuchen und Ritualen, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt haben. Der Brauchtumsexperte und ServusTV-Moderator Bertl Göttl führt, gespickt mit persönlichen Erinnerungen und interessanten Anekdoten, durch die Jahreszeiten und deren Besonderheiten, beleuchtet kirchliche und weltliche Feiertage und erklärt, wie sich daraus regionale Volks- und Brauchtumskultur entwickelt hat, die bis heute die Menschen im Donau-Alpen-Adria Raum prägt. Ein besonderer Streifzug durch unser Land und unser Jahr.

Prangerstutzen und Wampeler
Fast für jeden Tag erzählt Göttl eine Geschichte, berichtet über das Brauchtum, wo es herkommt und was es bedeutet, auch heute noch. So wird vieles verständlich, auch für solche Leser, die normalerweise kein so enges Verhältnis zu Brauchtum und zur Kirche, die ja meist dahinter steckt haben. Verständnis ist schließlich die Vorstufe zur Toleranz, und was bräuchten wir heute mehr?

Das Buch ist fein ausgestattet, gebunden und mit Schutzumschlag, gut zu lesen, mit gut gewählten Fotos, die das Brauchtum illustrieren, handlich, nicht zu ausschweifend, aber auch nicht so, dass die einzelnen Kapitel nur stichwortartig beschrieben werden. Also gerade recht, um sich in Ruhe und ausführlich in die Brauchtumswelt Österreichs einzulesen. Göttl zitiert alte Verse und erzählt Geschichten und Historisches zur Entstehung der Gebräuche. Man merkt, er hat im Laufe der Zeit ein unheimliches Wissen um die Volkskultur erworben, das er mit diesem Band dankenswerterweise an seine Mitmenschen - und nicht zuletzt auch an die Nachwelt weitergibt.

Zum Autor:
Bertl Göttl, Experte für Brauchtum, wuchs im Pongau und im steirischen Ennstal auf und war beruflich als Landwirtschaftslehrer und Agrarlandesrat in Salzburg tätig. Nach langjähriger freiberuflicher Tätigkeit für den ORF Salzburg wechselte er 1995 als Gestalter und Moderator der wöchentlichen Sendung Hoagascht zu SalzburgTV, die 2008 von ServusTV übernommen wurde. Seit 1992 ist er mit seinen täglichen Lostagen als Kolumnist bei den Salzburger Nachrichten tätig.

Bertl Göttl: Unser Land, unser Jahr. Ein alpenländischer Bilderbogen. 192 Seiten. Farbfotos. Gebunden mit Schutzumschlag. Servus, 1. Auflage 2016. ISBN-13: 978-3-7104-0119-0. 24 €.

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Dieter Buck
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Dienstag, 26. Mai 2015

Sonnwend- und Herz-Jesu-Feuer in Tirol

Berge in Flammen: Sonnwend- und Herz-Jesu-Feuer in Tirol 


Zur Sommersonnenwende werden die Tiroler Berge zur Kulisse für ein flammendes Schauspiel. Beim Brauchtum der Bergfeuer sind nicht nur lange Feuerketten auf den Graten zu sehen, sondern auch bis zu 200 Meter hohe Bilder, die mit Feuerstellen auf die Berghänge „gezeichnet“ werden.
 

Sonnwendfeuer in der Tiroler Zugspitz Arena
Sonnwendfeuer in der Tiroler Zugspitz Arena
 ©Tiroler Zugspitz Arena / Albin Niederstrasser
Den Sommer willkommen heißen
Wer schon einmal in Tirol war und gesehen hat, unter welch dicker Schneedecke im Winter ein Dorf verschwinden und wie beschwerlich die landwirtschaftliche Arbeit in den Bergen sein kann, der kann sich auch vorstellen, wie sehnlich der Sommer mit seinem üppigen Grün im bäuerlichen Jahreskreis erwartet wurde. Kein Wunder also, dass die Sommersonnenwende ein Grund zum Feiern war und es heute noch ist. Eine besondere Rolle spielen dabei die Feuerbräuche, von denen manche auf vorchristliche Zeit zurückgehen.

Die so genannten Sonnwendfeuer gibt es in ganz Tirol, besonders viel Mühe verwendet man aber in der Zugspitzarena darauf, wo der Brauch seit 2010 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe geschützt ist. In dem Talkessel rund um Ehrwald, Lermoos, Biberwier und Berwang sind am 20. Juni 2015 wieder mehrere Hundert Männer vom Morgen an damit beschäftigt, die rund 10.000 Feuerstellen für die geplanten Bilder auszumessen und Brandsäcke an den jeweiligen Plätzen zu deponieren. Ab 22 Uhr werden die einzelnen Feuer entfacht und Bild um Bild – religiöse Motive ebenso wie weltliche – erstrahlt an den Berghängen.

Der beste Ausblick
Die zweite Region in Tirol, die buchstäblich mit Feuereifer ans Werk geht, liegt im Tiroler Unterland: Im Brixental und am Wilden Kaiser sind ebenfalls für den 20. Juni 2015 Bergfeuer geplant, und damit man den Ausblick von oben genießen kann, sind die Bergbahnen der Region an diesem Abend in Betrieb.

Bleibt noch die Landeshauptstadt Innsbruck zu nennen. Das Brauchtum ist beim Innsbrucker Bergsonnwend der Ausgangspunkt für ein sommerliches Fest vom Nachmittag bis tief in die Nacht hinein. Entlang der Stationen der Nordkettenbahn – vom Löwenhaus über den Alpenzoo, die Hungerburg und die Seegrube bis zum Hafelekar – gibt es am 20. Juni 2015 Musik und Tanz, gutes Essen vom Grill und neben den Bergfeuern auch noch andere stimmungsvolle Programmpunkte für Kinder und Erwachsene.

Sonnwendfeuer-Veranstaltung auf der Hungerburg in Innsbruck
Sonnwendfeuer-Veranstaltung auf der Hungerburg 
in Innsbruck ©Innsbrucker Nordkettenbahnen
Feuer als Zeichen der Verbundenheit
Doch nicht nur die Sommersonnenwende ist Anlass dazu, in Tirol Bergfeuer zu entzünden. Sie haben auch historischen und religiösen Hintergrund. Denn während der Napoleonischen Kriege beteten die Tiroler Landstände zum heiligen Herzen Jesu um Hilfe im Kampf und gelobten dafür ewige Treue. Die im Krieg auf den Bergen verwendeten Signalfeuer erhielten im Frieden eine neue Bedeutung. Heute werden sie am zweiten Sonntag nach Fronleichnam – 2015 ist dies der 14. Juni – in Erinnerung an das Herz-Jesu-Gelöbnis entzündet. Die Motive sind im Gegensatz zu den Sonnwendfeuern durchwegs religiös geprägt: Kreuze, flammende Herzen oder die Zeichen IHS und INRI für Jesus zeugen davon, dass Tirol seinen Beinamen „Heiliges Land“ auch heute noch zu Recht trägt.
 
 

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Dieter Buck
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