Diane Messner/Reinhold Messner: Lebenszeit
Vom Wert der Vergänglichkeit
Persönliche Einblicke und Reflexionen von Reinhold und Diane Messner über das Altern und Abenteuer
»Ich habe versucht, meine Zeit zu nutzen, das Leben auszufüllen mit Tun, Leidenschaft und Einverständnis für beides – Leben und Tod.«
Reinhold Messner
Bergaffine und Literaturfreunde greifen immer gerne zu den neuesten Werken des Südtiroler Ausnahmebergsteigers Reinhold Messner. Ein etwas anderes Thema als seine bisherigen Bücher wird in seinem neuen Werk beleuchtet, das er zusammen mit seiner Frau geschrieben hat.
Reinhold und Diane Messner schreiben in »Lebenszeit« übers Älterwerden und Jungsein, über Verlust und Glück, über große Expeditionen und die kleinen Abenteuer des Alltags. Entstanden ist ein Buch über die Kostbarkeit unserer Lebenszeit – und darüber, wie man sie mit Offenheit, Mut und Neugier nutzen kann. Also im Prinzip kein Buch, das den vorhergegangenen Messnerbüchern ähnelt, aber mit seinem Tiefgang trotzdem ein typisches Werk des der wohl berühmteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit ist.
»Der Sehnsucht nach ewigem Leben setzen wir den Wert der Vergänglichkeit entgegen.«
Reinhold Messner spricht offen über das Alter. Denn auch er, der Nahtoderfahrungen machte und so oft den Aufstieg in die Todeszone der höchsten Berge überlebte, spürt das Nachlassen der Kräfte, die Langsamkeit beim Gehen, das allmähliche Heraustreten aus der Welt.
Gleichzeitig treten ihm die prägenden Erinnerungen an sein Leben klar vor Augen: der Tod seines Bruders Günther am Nanga Parbat, der letzte Spaziergang mit seiner Mutter, die Orte seiner Kindheit im Villnößtal. Messner ergründet die Anfänge seines Tuns und denkt zugleich über sein Ende nach – und das, was bleibt.
Im Abschiednehmen weitet sich sein Blick über den eigenen Lebenskreis hinaus: Gesellschaft, Natur, die Zeit und das Wesen des Menschen werden zum Gegenstand seines Nachdenkens, in dem komplizierte Gedanken zuletzt wieder einfach erscheinen.
In diesem sehr persönlichen Buch, das auch mehr als vierzig private Fotos enthält, begegnen sich zwei Generationen, die von Reinhold und Diane Messner, wobei Reinhold auf ein Leben voller Erfolge, aber auch Verlusten sowie Erkenntnissen zurückblickt.
»Lebenszeit misst sich nicht in Jahren. Sie misst sich in den Augenblicken, die wir wirklich gelebt haben.«
Diane Messner
Diane Messner, die sich im Buch in bester Pippi Langstrumpf-Manier mit den Worten „Ich denke mir die Welt, wie sie mir gefällt“, ergänzt diese Gedanken um die Perspektive einer Frau, die mitten im Leben steht und sich dennoch täglich mit Vergänglichkeit auseinandersetzt. Mit Temperament, Humor und viel Gefühl erzählt sie in kleinen Geschichten vom gemeinsamen Alltag, von Reisen nach Varanasi und in den Regen von Bali, von Abschieden, Neuanfängen und der Frage, was im Leben wirklich bleibt. Warum manchmal ein Strauß Petersilie mehr bedeutet als Rosen. Und weshalb es wenig Sinn hat, ihrem Mann die Errungenschaften moderner Kommunikation erklären zu wollen.
Das Buch ist ein Werk, das man langsam, vielleicht auch am besten immer nur in einzelnen Kapiteln, lesen sollte, um so die Aussagen besser auf sich wirken lassen zu können. In einem Zug gelesen, ist es immer noch eine interessante und beeindruckende Lebensgeschichte, aber der eigene Tiefgang, das eigene Nachdenken zu den Kapiteln fehlt dann. Und das wäre doch schade.
Zu Autor und Autorin:
Reinhold Messner, geboren 1944, ist der berühmteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit. Als Kletterer, Höhenbergsteiger, Grenzgänger und ›Philosoph in Aktion‹ hat er immer wieder neue Maßstäbe gesetzt. Messner bestieg als erster Mensch alle vierzehn Achttausender, darunter erstmals den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff und allein (›Everest Solo‹). 1989/90 gelang ihm zusammen mit Arved Fuchs die Durchquerung der Antarktis zu Fuß. Heute kämpft Reinhold Messner als Autor und Filmemacher für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit der Natur, bewirtschaftet Bergbauernhöfe und gestaltet sein Bergmuseum, das Messner Mountain Museum, mit seinen sechs Standorten.
Diane Messner ist seit 2021 mit Reinhold Messner verheiratet, die beiden leben auf Schloss Juval im Südtiroler Vinschgau, u.a. mit Familienhund Flint. Diane Messner wurde 1980 in Luxemburg geboren und wuchs in Kayl auf, einer kleinen Gemeinde im Süden des Herzogtums. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie Messner Mountain Heritage (MMH) gegründet, um das traditionelle Bergsteigen in die Zukunft zu tragen und um einen respektvollen Umgang mit der Natur im Sinne Reinhold Messners weiterzugeben.
Diane Messner/Reinhold Messner: Lebenszeit. Vom Wert der Vergänglichkeit. 336 Seiten, mehr als 40 private Fotos, gebunden mit Schutzumschlag. Verlag: S. FISCHER, 2026. ISBN: 978-3-10-397819-3. 25 €, E-Book 19,99 €
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