Sonntag, 1. Juli 2018

Gsieser Tal in Südtirol: das Tal der Almen

Wandern im Banne der Schnabelmenschen

Das Gsieser Tal in Südtirol



Die Schnabelmenschen waren seltsame Gestalten. Waren die Bauern gut und fromm, so halfen sie ihnen. Aber wehe sie waren böse und gingen sonntags nicht in die Kirche. Dann konnten die geschnäbelten Wesen sich von ihrer unangenehmen Seite zeigen.





So erzählt jedenfalls eine alte Sage. Wir haben die Schnabelmenschen jedoch nicht gesehen, sondern nur lauter freundliche Wesen, die uns verwöhnten oder wie Bergführer Paul Sapelza, der mich auf die Höhe führte.



Im herrlichen Gsieser Tal. Überall stattliche Höfe, oft alt und mit von der Sonne geschwärzten Balkonen, liegen zufällig in die Blumen- und Kräuterwiesen eingegestreut. 
 




Es gibt aber auch Events her: Zum Beispiel lockt einmal im ansonsten so stillen Winter der Gsieser Tal Lauf  hunderte, ja tausende Teilnehmer und Zuschauer auf und an die Loipe. Und im Sommer zählt das Gsieser Almhüttenfest viele Besucher. Ansonsten aber ist das Tal ein ruhiges Tal. Sommerfrischerummel, Marketendergeschrei, Landschaftsverunstaltung durch überdimensionierte Hotelklötze, schauderhaft hässliche Liftanlagen mit den dazu gehörigen Parkplätzen und Nebengebäuden sind weit entfernt. Ein Sommerfrischetraum wie aus Uromas Zeiten. Herrlich. Nur du und ich und die Natur, Stille, Landschaft pur grün.
 



Im Tal der Almen
Tal der Almen, so nennt sich das Gsieser Tal heute, zu Recht. Es liegt in der Kronplatzregion zwischen den Ausläufern der Rieserfernergruppe und den Defregger Alpen und geht vom Pustertal nach Norden weg und ist nur durch das Gsieser Törl vom Osttiroler Defereggental getrennt. Bis St. Magdalena verläuft es ziemlich flach und erweckt einen weiten und sonnigen Eindruck. Während man im Talboden Wiesen, Siedlungen und Höfe sieht, sind die Hänge auf beiden Seiten des Talbodens mit dichten Tannen- und Fichtenwäldern bewachsen.


 
So viel zur geografischen Einordnung. Ansonsten ist es ein Wandertal par excellence. Grüne Almen, alte, schwarz verbrannte Almhütten, Wälder, felsige Gipfel und ein Bergsee, der nur auf mich zu warten schien, bestimmen hier das Bild. Dazu Aussicht von oben über Süd- und Osttirol vom Feinsten. Und, um auch auf etwas Kultur zu sprechen zu kommen: Nirgendwo sonst habe ich derart kunstvoll geschnitzte Balkongeländer gesehen wie im Gsieser Tal.


 
Im Internet steht zum Gsieser Tal und seinen Wandermöglichkeiten:
In kaum einer anderen Region Südtirols gibt es eine größere Auswahl an urigen, bewirtschafteten Almhütten. Beim alljährlichen Almhüttenfest werden die allerseits bekannten und beliebten Hütten des Gsieser Tales so richtig aufgelebt. 




Aber unabhängig davon stellen die Almhütten des Feriengebietes Gsieser Tal-Welsberg-Taisten sowohl im Sommer, als auch im Winter ein großes Highlight dar. Egal ob beim Rodeln, Wandern, Schneeschuhwandern oder Mountainbiken – der Besuch einer Almhütte gehört zu beinahe jeder Freizeitaktivität dazu. Die vielen traditionellen Gerichte sind einfach zu verlockend, um ihnen widerstehen zu können: Speckknödel auf Krautsalat, Käsenocken, Kaiserschmarrn, Apfelstrudel.
 



Wandern im Gsieser Tal
Wer im zwanzig Kilometer langen Gsieser Tal, an seinen Hängen und auf seinen Bergen wandert, kommt der Natur Schritt für Schritt näher. Wer über die Taistner Alm und auf den Felsengipfel des Rudlhorns hinauf wandert, dem bieten sich Tal- und Bergblicke von schwindelerregender Schönheit. Auf die Taistner Vorderalm schaffen es auch kleine Wanderer. Hier dampfen die Knödel und duften die Krapfen was das Zeug hält, und machen jedem Wanderer das Vorüberziehen ohne Halt zu machen unmöglich. Der Almweg 2.000 verbindet gleich mehrere der mit Leidenschaft bewirtschafteten Almen des Tals und bietet wunderbare Blicke talaus- und taleinwärts.



Themen-Wege

Die schönsten Wanderziele in und um Welsberg und im Gsieser Tal sind in Form von liebevoll gestalteten Themenwegen erreichbar, von denen jeder eine aufregende Geschichte erzählt. Die Schlossrunde in Welsberg entführt geradewegs ins Mittelalter, der Dolomiten-Panoramaweg verzaubert mit beeindruckenden Blicken aufs Weltnaturerbe und lässt Fotoapparate unerlässlich klicken, der Barfußweg bietet Naturerlebnis hautnah. 





Grenzenlos wandern lässt es sich auf alten Pfaden, die das Gsieser Tal mit dem Villgratental verbinden. Entlang des Taistner Sagenweges sind vier Legenden aus der Umgebung von Taisten dargestellt, viele Sagenfiguren gilt es zu entdecken!  Erwachsene verbinden Wandern und Meditation auf Südtirol's erstem Via Lucis Meditationsweg und wer sich auf die Spuren der Gsieser Almochsen begeben möchte, der findet in St. Magdalena so einige tierische Überraschungen.




Über Almen bummeln
Vor Jahren war ich schon einmal hier und hatte die Landschaft in bester Erinnerung. Und diese hat mich nicht getäuscht. Über Almen bummeln, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.


 
Als „Klettersteigpapst“ Eugen E. Hüsler ausnahmsweise einmal wandernd unterwegs war schrieb er in einem Führer zu dem Tal: „Das Gsies ist kein Tal alpiner Sensationen; markante Gipfelzacken sucht man hier ebenso vergebens wie leuchtendes Gletscherweiß. Dafür ist hier noch manches ursprünglicher als anderswo, den bäuerlichen wurzeln Südtirols näher. Auf den Almen weidet im Sommer das Vieh, wird da und dort gekäst.“


 
Hinauf zu Karbacher Berg/Fellhorn und Hörneckele
So eingestimmt ging es los. Paul holte mich morgens ab. Etwas schlaftrunken noch, schließlich ist ja Urlaub, torkelte ich mehr als ich ging zu seinem Auto. Er kannte sich aus, kannte schließlich jeden Gipfel, zumindest jeden Stein, jeden Bauernhof oder jede Alm, auf jeden Fall aber jeden Einheimischen, der uns begegnete mit dem Vornamen und fuhr gleich mal ein Stück den Berg hinauf. Warum sich mit zwei Beinen plagen, wenn es viele Pferdebeine, sprich –stärken, gibt, die einem dies abnehmen.




Danach hieß es aber wandern. Immer auffi. Weg Nummer 10 in Richtung „Ascht-Alm“ war unsere Devise. Eine etwas kürzere, dafür aber steilere Abkürzung verschmähten wir, denn man wäre außer Atem gekommen und Ratschen hätte darunter gelitten. Ein gemütlicher Wirtschaftsweg brachte uns durch den lichten Lärchenwald hinauf in die Almregion. Zahlreiche Holzhütten, Schupfen und Almgebäuden säumten den Weg, rechts oben lag die Gastwirtschaft der Ascht-Alm, die wir aber unbesucht dort liegen ließen. 


 
Die Blumen blühten jetzt im Bergfrühling um die Wetter und jeder von uns beiden wusste die eine oder andere Pflanze zu benennen. Der Weg wurde etwas steiler und schließlich wanderten wir auf einem Steig bis zur Pfinnscharte (2395 m). Jetzt bot sich uns nicht nur ein Blick hinab ins Gsieser Tal sondern auch auf die andere Seite des Bergmassivs, ins Karbachtal und zu den Südtiroler Bergen im Westen. 




Jetzt folgte ein Steilaufstieg hinauf zum Karbacher Berg/Fellhorn (2518 m), dem höchsten Punkt dieser Tour. Sogar ein Gipfelkreuz gab es hier. Und eine Rundumsicht zu den Gipfeln, die man als Südtirolwanderer aus eigenem Erleben, zumindest aber vom Namen her kennt.



Auch das nächste Ziel, das tiefer liegende Hörneckele war zu sehen. Wir erreichten es auf Weg 52a über einen Höhenrücken, der uns immer meinen ließ, in die Luft fliegen zu können.


 
Auch das Hörneckele (2127 m) besitzt ein Gipfelkreuz, zudem liegt es gefühlt fast senkrecht über dem Gsieser Tal mit einem Blick hinab nach St. Martin. Hier soll eine Aufzählung der Gipfel folgen, die man von links nach rechts sieht und für die ich Paul recht danke.



Es beginnt links mit den Sextener Dolomiten, bekannte Bergnamen sind hier Dreischusterspitze und Haunold, danach folgt der Einschnitt des Höllensteintals, anschließend geht es mit den Pragser Dolomiten weiter: Monte Cristallo, Dürrenstein, Hohe Gaisel, Tofaner Dolomiten im Hintergrund und Seekofel.




Abstieg, Variante 1. Für Wanderer, die hart im Nehmen sind
Nun begann, der schönen Landschaft zum Trotz, der unangenehmere Teil der Wanderung: der Abstieg. Man kann ihn aber durch eine Variante, siehe unten, entschärfen. Zuerst aber die steile Version: Wir stiegen hierzu erst auf einem schönen Panoramaweg durch blühende Wiesen hinab zur Ragotzalm, vorbei an einer Baby-Kreuzotter, die sich vor uns über den Weg schlängelte und dann im hohen Gras verschwand. 






Danach tauchten wir in den Wald ein. Eine Verzweigung bot rechts Weg 52a, links Weg 52, beide in Richtung St. Magdalena. Wir nahmen den linken Weg. Dieser wurde zeitweise recht steil und nicht besonders bequem zu gehen, die lädierten Knie schickten Lebenszeichen an den Wanderer.


 
Schließlich war aber auch dieses Stück überwunden, wir verließen den Wald und erreichten wieder die Zivilisation, sprich die ersten Häuser mitsamt einem kleinen Bauernhofmuseum.

Abstieg, Variante 2. Die bequemere Version
Wer sich und seinen Knien den steilen Abstieg direkt ins Tal nicht antun will, geht wie folgt: Nach dem Hörneckele folgt man hierzu nicht Weg 52 hinab ins Tal, sondern dem Almweg 2000. Er bleibt in etwa auf derselben Höhe und führt zwischen Almwiesen und Wald auf die Ascht-Alm. Die Knie danken schon im Voraus dafür. Bei der Ascht-Alm kann man nicht nur einkehren, sondern man wandert auf dem vom Anfang her bekannten Anstiegsweg relativ bequem hinab ins Tal.




Tourdaten:
Diese Wanderung ist etwa 14 Kilometer lang und bringt 970 Höhenmeter mit sich. Zeit: 5 Stunden. Meist geht man auf Steigen, an einigen wenigen Stellen sollte man schwindelfrei sein.

Info:
Tourismusverein Gsieser Tal-Welsberg-Taisten
Telefon 00+39 0474 978436

Unterkunft
Hotel Quelle Nature Spa Resort
Familie Steinmair
I-39030 Gsies, Magdalenastraße 4
Telefon: 0039 0474 948111
Fax: 0039 0474 948091

Empfohlene Karten:
Kompass Wandern Rad Skitouren 45 Defereggental Villgratental, 1:50000
Kompass Wandern Rad Skitouren 699 Südtirol, 4 Karten im Set, 1:50000

Literatur:
Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner: Wanderführer 5710 Dolomiten 5 Pustertal. Kompass

Bergführer:
Paul Sapelza
Klettern, Wandern, Skitouren, Schneeschuhtouren

und Marlies Buck
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