Donnerstag, 23. Juni 2016

Willi Pechtl: Im Tal leben

Willi Pechtl: Im Tal leben
Das Pitztal längs und quer


Zu den beliebtesten Reiseziele Tirols, ja ganz Österreichs, gehört das Pitztal. Skifahren, Bergsteigen, Wandern - alles ist möglich und zieht die Bergbegeisterten an. Viele davon sind aber nicht nur gekommen, um sich körperlich auszutoben oder die Schönheit der Landschaft zu genießen, nicht wenige interessieren sich auch für ihr Reisegebiet.

Für Entstehen und Werden der Landschaft und der Berge, für die Menschen, wie sie früher und heute gelebt haben und leben, für die Bau- und sonstige Kultur, für die historischen Hintergründe.

Im Normalfall tut man sich dann mit der Recherche schwer. Ein normaler Reiseführer bietet so etwas nicht, und die Recherche nach Informationen gestaltet sich eher recht mühselig. Was man dann halt doch lieber unterlässt.

Geschichte des Pitztals seit dem ersten Weltkrieg
Für das Pitztal ist dieses Problem nun behoben: Ein neuer, schwergewichtiger Text-Bild-Band bietet sich an. Autor Willi Pechtl hat sich dem Alltagsleben des 20. Jahrhunderts gewidmet, bietet Geschichten aus der Geschichte des Pitztals, erzählt von Zeitzeugen, vom Alpinismus der letzten hundert Jahre und der Entwicklung des Fremdenverkehrs - wie diese heutige Hauteinnahmequelle einst genannt wurde.  Tragisch und empörend sind die Berichte aus der Nazizeit - es war zwar im Pitztal nicht anders oder schlimmer als anderswo, aber man empört sich halt doch immer wieder, wenn man so direkt von den Betroffenen ihre Erlebnisse erzählt bekommt.


Pechtel hat seit drei Jahrzehnten daran gearbeitet, zahlreiche Ton- und Filmdokumente mit Pitztalern aufgenommen, viele Schrift- und Bilddokumente gesammelt.

Neben diesen Schilderungen der Bewohner des Pitztals der letzten hundert Jahre hat Pechtl sich auch dem Thema Kunst gewidmet. So beispielsweise dem Künstler Ferdiand Runk, der bereits 1801/1802 den Mittelbergferner gemalt hat, neben anderen Motiven wie Kühen im Gletschertor, der Kirche von St. Leonhard oder der Kitzgartenschlucht bei Zaunhof. Auch weiter Pitztaler Künster kommen im Buch vor: Alois Gabl, Christian Tschuggmall, Mattäus Vischer und Johann Schnegg. Von diesen zum Teil europaweit tätigen Künstlern werden ebenfalls Werke abgebildet.

Harte Zeiten für die Bevölkerung
Pechtls Forschungen vermitteln somit ein anschauliches Bild einer Welt, die selten verträumt heimelig, oft hingegen unheimlich hart gewesen ist. In den wundersam ineinander verzahnten und kundig illustrierten Geschichten aus dem Alltag der Menschen im Tal spiegeln sich die Auswirkungen der großen historischen Prozesse auf das Leben und Sterben in den österreichischen Alpen seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Diese Geschichten verweisen auf Krisen, auf kaum mehr vorstellbare Entbehrungen, auf Auseinandersetzungen und Kämpfe, die sich daraus entwickelt haben, selten auf Glücksempfindungen. Sie sind vielfach auch ungemein beeindruckende authentische Zeugnisse des beherzten und beharrlichen Widerstands gegen die diversen Obrigkeiten und Teufelskreise vor allem des 20. Jahrhunderts.
Die Einleitung zu diesem empfehlenswerten Werk stammt von dem bekannten, mittlerweile emeritierten „Alpenprofessor“ Dr. Werner Bätzing.

Zum Autor:
Der Pitztaler Willi Pechtl unterrichtete 30 Jahre lang Bildnerische Erziehung am Gymnasium in Imst. Gleichzeitig war er künstlerisch als Plakatgestalter, Keramiker, Fotograf und Ausstellungsgestalter tätig. Er sammelte über Jahrzehnte Dokumente der Alltagskultur aus seiner Heimat und führte intensive Interviews mit Zeitzeugen.

Willi Pechtl: Im Tal leben Das Pitztal längs und quer. 352 Seiten, zahlreiche historische und zeitgenössische Abbildungen. Gebunden. Studia Verlag. ISBN 978-3-903030-11-4. 39 €.
Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.


Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen