Mittwoch, 17. Juni 2015

Die Liechtensteinklamm: am Anfang des Großarltals

Perle am Anfang des Großarltals: 
Die Liechtensteinklamm





Sie ist mit ihren 1,5 Kilometern die längste Klamm Österreichs und die tiefste im SalzburgerLand, und sie ist der Sage nach des Teufels Werk! Macht nichts, wer im Großarltal ist, MUSS sie besuchen, sonst hat er was versäumt - mehr als 10 Millionen Besucher bisher können nicht irren!





„Die Liechtensteinklammen ziehen zwischen den steil abstürzenden Abhängen des Jochberges und Gernberges (Gläsenberg) hinan und geben zumeist nur den Fluthen der Ache spärlichen Raum. Das Gestein der einschliessenden Felswände wird von denselben Kalkarten gebildet, welche auch die Eingänge anderer Tauernthäler (Gastein, Rauris, Kaprun) so grossartig gestalten … die Klamm besteht aus zwei, durch eine kesselförmige Weitung getrennten Abtheilungen; wilder ist die zweite Abtheilung, welche von überhängenden Wänden domartig geschlossen wird und durch einen Tunnel zu dem 50 Meter hohen Wasserfalle führt, der den Schluss- und Glanzpunkt der Klamm bildet.
Josef Rabl, Illustrierter Führer durch Salzburg das Salzkammergut und Berchtesgadner Land, 1883




Versäumen wollten wir aber nichts von den Herrlichkeiten im
Großarltal. Und so machten wir uns, wieder nach dem verlockenden Frühstück in der Alten Post, auf den Weg. Vorbei an der Alten Wacht - man sollte nicht versäumen, hier kurz anzuhalten und sich das alte Gebäude hoch über einer Schlucht anzusehen. Bei uns turnten sogar Gämsen im Hintergrund an der Felswand.




 

Die Alte Wacht
Die früher Stegenwacht genannte Alte Wacht - hier stand früher an einem Steg die Wache - ist ein malerisches, über die Straße gebautes Holzhaus. 




Es klebt gleich einem Schwalbennest am Felsen neben der Stegbachbrücke und diente früher als Straßenmautstelle (1680/81). Der Vorgängerbau wurde 1566 beim Bau des Weges errichtet, der heutige Bau stammt von 1680/81. Zu Pestzeiten war die Wacht sogar mit Soldaten besetzt, um die Passage wegen Ansteckungsgefahr zu sperren. Es ist die älteste erhaltene Mautstelle im Land. Gegenüber der Wacht auf der linken Seite der Großarler Ache sieht man in der Felswand die sogenannten Heidenlöcher, in sie sollen sich der Sage nach zur Zeit der Christianisierung Heiden zurückgezogen haben. Früher gab es wegen der steilen Felswände der Großarlerklamm (seit 1876 Liechtensteinklamm genannt) nur Viehtriebgassen und Saum- und Gehwege. Erst der Bergbau machte den Bau einer Straße nötig; darum wurde 1566 unter dem Salzburger Erzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy hoch über der Klamm „ein Sträßlein in den Felsen hauen“. Früher verlief der gesamte Verkehr in und aus dem Tal durch das hölzerne Torhaus.




Dann ging es aber hinab ins Salzachtal, bis kurz vor St. Johann. Dort kann man den Weg zur Liechtensteinklamm nicht mehr verfehlen.




„… Doch fand sich rechtzeitig ein sehr wirksames Zugmittel für den Fremdenbesuch in der großartigen Felsschlucht, in welcher der Bach des großen Arlthales die letzte Stufe am Ausgange des Thales durchbricht. Sie ist ohne Zweifel eine der größten Sehenswürdigkeiten der Alpen, und St. Johann dankt der Erschließung dieser bis 1876 ganz unzugänglichen und unbekannten Liechtensteinklamm den Besuch von vielen tausend Fremden im Jahr. Der innerste Theil der Klamm ist ein kaum zwei bis drei Meter breiter Schlund bei einer Höhe von 50 bis 60 Meter, so zwar, dass nur ein schwacher Tagesschimmer in die grausige Tiefe dringt, in welcher ein starker Bach schäumt und tost, der außerhalb der Alpen für einen leidlichen Fluß gelten würde. Der Glanzpunkt ist aber der Schluß der Klamm, wo der Bach sich in einer hohen Kaskade in die dunkle Tiefe der Schlucht stürzt. In der Mittagsstunde, wenn die Sonne ihre Strahlen durch den Wasserfall in die Klamm sendet und hier alles Licht nur von dem weiß schimmernden stäubenden Gewässer ausgeht, entsteht ein unvergleichlicher Lichteffect."
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 1889





Die Entstehung der Klamm geht auf die Eiszeit zurück, als sich die Gletscher bis zu 3000 Meter hoch über Täler und Berge türmten. Danach wurde es wärmer und die nach unten fließenden Gletscher schliffen mit ihrer Urgewalt die Haupttäler aus, so dass zu den Seitentälern hin hohe Geländekanten gebildet wurden. 
 




In sie hat sich die Großarlerache vier Kilometer in den Fels gesägt; mit einer Länge von begehbaren 1200 Metern ist die bis zu 300 Meter tiefe, düster-romantische Schlucht mit den teilweise überhängenden Wänden die längste Klamm im Salzburger Land und die tiefste Österreichs, sie wird auch als die bedeutendste der Ostalpen bezeichnet. 




Manchmal kann man den Himmel nur als kleinen Streifen erkennen. Ein teils in den Fels gesprengter Pfad und Holzstege führen in die enge, teilweise nur zwei bis drei Meter breite Schlucht hinein. Ein Fels sieht wie ein Löwenkopf aus, ein anderer wie ein Ochsenkopf und ein weiterer wie eine Schildkröte. 




Es geht durch die Vordere Klamm zu einem Kessel, der von 300 Meter hohen Felswänden umgeben ist. Durch die Hintere Klamm mit senkrechten Felswänden geht man zum achtzig Meter hohen Hadesfall und durch einen sechzig Meter langen Tunnel zur oberen Klamm mit dem sechzig Meter hohen Schleierfall. 




Der Simerl Berger von Rainbach,
Der fand in der Klamm eine Quell'n
Die steht den Gasteinern in nix nach
Nur, dass ihr die Hitze thuat fehl'n.
Die Heilkraft ist vielfach erprobt,
Hört's wia nur der Aberl Louis foppt
Für d'Pletzen und fliagade Gicht
So steht's in der Salzburger G'schicht!
Aus der Festschrift 

"60 Jahre Liechtensteinklamm"






Im 19. Jahrhundert wurde mehrmals versucht, die wildromantische Klamm zu erschließen und nach einigen vergeblichen Versuchen waren einige Pongauer Alpenvereinsmitgliedern 1875 erfolgreich. Ihnen ging aber das Geld aus und sie wandten sich an Fürst Johann II von und zu Liechtenstein, Statthalter von Salzburg, der im nahen Großarl eine Jagd betrieb, um Hilfe. 




Er spendete 600 Gulden, mit denen die Klamm 1876 vollständig erschlossen werden konnte, dafür wurde sie dann nach ihm benannt. Der Fürst (5. 10. 1840─11. 2. 1929) gehörte zu einem der ältesten und ruhmvollsten österreichischen Hochadelsgeschlecht und war wegen seiner verschiedenen Wohltaten bei der Bevölkerung sehr beliebt. 




So finanzierte er Armenhäuser, Spitäler und Straßen und ließ als Kunstliebhaber Kirchen und Schlösser renovieren. Trotz seines Reichtums lebte er äußerst einfach und zurückgezogen. Einige Jahre nach der Erschließung nannte sie A. Waltenberger in seinem 1884 erschienenen Führer „Das Bayerische Hochland und Salzburg“ „…eine der grossartigsten Felsschluchten der Nordalpen“ und empfahl „Überkleider mitzunehmen“.


Hinten in der Schlucht entspringt eine Quelle mit heißem Wasser, das sich mit der Großarlerache vermischt; es wurde schon mehrmals versucht, sie kommerziell für Badekuren u.ä. zu nutzen, Erfolg hatte allerdings noch niemand damit.

Nach der Sage wurde die Liechtensteinklamm vom Teufel erschaffen, als er nach dem vergeblichen Versuch, die warmen Quellen von Gastein nach Großarl zu bringen, seine Last in die tiefe Schlucht schleuderte, weil er die versprochene Zeit nicht einhalten konnte. 

Die Sage der Liechtensteinklamm
Der Schmied von Oberarl in der Plankenau bei St. Johann hatte seine verkrüppelte Tochter dem Teufel verschrieben, wenn dieser ihm die Gasteiner Quellen vor das Haus noch vor dem ersten Krähen des Hahnes früh morgens brächte. Der Teufel ging diesen Pakt ein. Die listige Frau des Schmieds bereitete der maßlosen Gier ihres Mannes ein Ende und tauchte den Hahn kurzum in den Brunnentrog. Der Hahn krähte noch vor Tagesanbruch als der Teufel mit den warmen Quellen gerade über die Klamm flog. Der Teufel stellte verbittert fest, dass er zu spät kam und schmetterte wutentbrannt die Quellen in die Tiefe der Klamm, auf dass sie bei den Menschen niemals mehr fassbar wären. Bis heute es ist auch wirklich nicht gelungen, das Heilwasser zu fassen und zu nutzen.
Quelle: Tafel am Tauernradweg


Und dann ging es wieder zum haubenverdächtigen Abendessen im Hotel Alte Post In Großarl.




  
Marlies Buck und Dieter Buck

Info:
Tourismusverband Großarl, Telefon 0043 (0) 6414 281, Fax 0043 (0) 6414 8193, www.grossarltal.info, info@grossarltal.info
****Wanderhotel Alte Post, Familie Anton Knapp, A 5611 Großarl 24, Telefon 0043 (0) 6414 207, www.altepost.cc, info@altepost.cc

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Empfohlene Karte:
1:35.000 Großarltal, Tappeiner

Literatur:
Dieter Buck: Wanderungen und Bergtouren im Pongau. Plenk-Verlag, Berchtesgaden.

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