Donnerstag, 10. November 2016

Heimhuber-Archiv, Klaus-Peter Mayr, Ingrid Grohe: Heimat, Heu und Haferlschuh

Heimhuber-Archiv, Klaus-Peter Mayr, Ingrid Grohe:
 Heimat, Heu und Haferlschuh
 Das Allgäu in den 1950er-Jahren



Manch einer der alten, der älteren oder sogar der mittleren Generation mag sich erinnern, wie es in seiner Kindheit oder Jugend war. Wie Urlaube damals stattfanden, im VW-Käfer, vollbepackt und mit „Dachgarten“ auf dem Auto, in den Bergen. Oft im Zelt, alpine Kälte und Regen missachtend.

Alte Erinnerungen tauchen auf beim Betrachten dieses großformatigen Werks: Wiesen, Berge und Dörfer, Kindergesichter, Handwerk und Trachtenumzüge: Fotografien aus dem »Schatzkeller« des Heimhuber-Archivs mit seine mehreren hunderttausend Aufnahmen verschiedener Alpenregionen, vor allem sicherlich des Allgäus, mitsamt seinen Bergen, Menschen und Dörfern zeichnen ein facettenreiches Porträt einer der reizvollsten Regionen Deutschlands in den 1950er-Jahren. Die meisten Fotos dieses Buches sind im Stil der Zeit in schwarzweiß gehalten.

Trotzdem, man wundert sich, wie schnell die Zeit in dieser doch relativ kurzen Periode verstrichen ist. Hat man damals auf den Höfen doch vorwiegend noch von Hand gearbeitet, ein Auto war ein Wunderding, das ausgiebig vom (männlichen) Nachwuchs bestaunt wurde. Trotzdem: man staunt über das Foto einer Frau auf dem Motorrad! Kriegstrümmer gab es natürlich auch noch, sicher aber weniger als in den Großstädten. Dafür gab es schon die ersten Supermärkte.

Weiße Bettlaken über blühenden Wiesen, der harte Arbeitsalltag auf den Feldern, traditionelles Handwerk und bunte Trachtenfeste: Der Bildband »Heimat, Heu und Haferlschuh« zeichnet ein facettenreiches Porträt des Allgäus der 1950er Jahre. Die Fotografien aus dem Schatzkeller des Archivs der Familie Heimhuber führen mitten ins Herz eines bewegten Jahrzehnts. Zwischen Aufbruch und Umbruch erholt sich die Region von den Wirrungen des Krieges und zeigt ein berührendes Bild von Bergidylle, Alm-Musik und Familientradition.

Raum gibt es im Buch auch für das Alpleben, das schwere Leben der Alphirten, das Käsmachen, frei von EU-Richtlinien, den ersten Urlaubern, am See (den Forggensee gab es schon) und in den Bergen, Sport und Feste, Brauchtum und Tradition, ja sogar für das Schuhplatteln. Dieses allerdings hat der Autor dieser Zeilen traditionsgemäß eher in Oberbayern verortet. Sollte er sich da täuschen? Keine Täuschung ist es aber, wenn Berliner Ferienkinder bei einem Fest eine Grußtafel vor sich hertragen - es war eben Nachkriegszeit!

„Schee wars“ überschreibt der Verlag seinen Pressetext. Der Autor möchte diese Aussage mal an den Schluss setzen. Die Erinnerung verklärt eben doch alles … …

Zum Heimhofer-Archiv:
Die fotografische Familientradition der Heimhubers geht zurück auf das Jahr 1876, als Josef Heimhuber sein Atelier in Sonthofen eröffnete - heute wird es in 5. Generation fortgeführt. Das war in etwa die Zeit, als die Alpenvereine gegründet wurden, das Interesse am alpenländischen Leben war also vorhanden.

Heimhuber-Archiv, Klaus-Peter Mayr, Ingrid Grohe: Heimat, Heu und Haferlschuh Das Allgäu in den 1950-Jahren. 192 Seiten, ca. 250 Abbildungen, Format 26,8 x 28,9 cm, Hardcover. J. Berg Verlag, München, 2016. ISBN-13: 978-3-86246-566-8. Preis:  € [D] 39,99, € [A] 41,20, sFr 48,50.
Sie erhalten das Buch im Buchhandel oder hier.



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Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

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